Warum wir Grundrechte für Primaten anstreben

Wir richten mit unseren Aktivitäten und Initiativen darauf aus, möglichst vielen empfindungsfähigen Wesen helfen. Angesichts dieser Zielvorgabe erscheint unsere Arbeit an Grundrechten für Primaten ineffektiv – zumindest auf den ersten Blick. Die Zahl nichtmenschlicher Primaten ist vernachlässigbar gegenüber den Millarden von Tieren, die täglich in Tierfabriken leiden. Warum also haben wir eine Volksinitiative zu Grundrechten für Primaten lanciert?

Erstens könnte diese Initiative einen Präzedenzfall schaffen: Sobald wir Grundrechte für die ersten nichtmenschlichen Individuen etabliert haben, wird es einfacher, diese Rechte auch auf andere Tiere auszuweiten – darunter Hühner, Schweine und Kühe. Ein Recht auf Leben und physische Unversehrtheit für diese Tierarten impliziert natürlich eine vegane Ernährung.

Zweitens erzeugen Volksinitiativen in der Schweiz sehr große Medienaufmerksamkeit, selbst wenn die Abstimmung letztlich negativ ausfällt. Die Forderung nach Grundrechten für nichtmenschliche Primaten könnte so eine öffentliche Debatte über Antispeziesismus anstoßen. Entscheidend ist, dass diese Debatte außerhalb des Ernährungskontexts stattfindet, der oft zu Rationalisierungen des eigenen Fleischkonsums führt. Es ist viel einfacher, Grundrechte für Primaten zu unterstützen, als Ernährungsgewohnheiten zu verändern. Die philosophischen Überlegungen hinter solchen Grundrechten könnten auch attraktiver für aktuelle und zukünftige Entscheidungsträger in Politik und Gesellschaft sein als die übliche Debatte über Veganismus, die oft von anderen Aspekten wie Gesundheit oder Nachhaltigkeit überlagert wird.

Drittens werden weitaus mehr empfindungsfähige Wesen in der Zukunft existieren als zum aktuellen Zeitpunkt. Wenn wir unsere Mission ernst nehmen, sollten wir nicht nur jetzt möglich vielen Wesen helfen, sondern dieses Ziel langfristig verfolgen. Daher müssen nicht nur aktuelle Ernährungsgewohnheiten verändern, sondern auch die zugrundeliegenden speziesistischen Einstellungen.

Die Forderung nach Grundrechten für nichtmenschliche Primaten stellt die Grenze zwischen Menschen und nichtmenschlichen Tieren grundsätzlich in Frage. Der rechtliche Schutz würde zwar nur einer kleinen Anzahl von Individuen zugute kommen, hat aber eine Signalwirkung, die das Verhältnis zukünftiger Generationen zu nichtmenschlichen Tieren entscheidend prägen könnte. Die Geschichte zeigt, dass Grundrechte im Kampf gegen Rassismus und Sexismus eine entscheidende Rolle gespielt haben. Wenn Menschen sich an neue Gesetze gewöhnen oder mit ihnen aufwachsen, werden sie zum neuen Status Quo und prägen die Einstellungen zukünftiger Generationen. So können Grundrechte für Primaten ein Meilenstein auf dem Weg zu einer antispeziesistischen Gesellschaft werden. Das wiederum würde Billionen von empfindungsfähigen Wesen in der Zukunft helfen.


NEWSLETTER

Wir halten Sie über unsere Aktivitäten und aktuelle Entwicklungen auf dem Laufenden.

UNTERSTÜTZEN SIE UNS