Eine vegetarische/vegane Ernährung rettet Billionen von Leben, nicht Millionen

Eine aktuelle Studie der Oxford-Universität stellte fest, dass die weltweite Einführung einer vegetarischen Ernährung bis 2050, durch die Verringerung der Sterblichkeitsrate um 6 bis 10 Prozent, 5 bis 8 Millionen Leben retten würde. Die Studie behandelt eine wachsende Anzahl von Forschungsergebnissen, die belegen, dass eine weltweite Reduktion des Fleischkonsums den wichtigsten Umweltproblemen der Zukunft vorbeugen kann. Trotz dass der weitreichende Einfluss unserer Ernährungsgewohnheiten beschrieben wird, wird ein wesentlicher und offensichtlicher Aspekt allerdings nicht genannt: Indem in der Studie nur Menschenleben betrachtet werden, werden die Billionen Tiere ignoriert, deren Leben im selben Zeitrahmen durch eine globale Veränderung zur fleischfreien Ernährung verschont blieben.

Jedes Jahr werden ungefähr 70 Milliarden Landtiere [1] für unsere Ernährung getötet. Das ist mehr als das Neunfache der menschlichen Population, die bis 2050 weiter auf 9,7 Milliarden ansteigen soll. In derselben Zeit würde das Wirtschaftswachstum der Entwicklungsländer dazu führen, dass ehemals arme Haushalte sich eine fleischbasierte Ernährung leisten könnten, was wiederum zu einem stetigen Anstieg des globalen Fleischkonsums führen würde. Wenn man diese Zahlen bis zur Mitte des Jahrhunderts zurückrechnet, kommt man auf die unglaubliche Zahl von 3 Billionen [2] – das ist eine 3 mit 12 Nullen – Landwirbeltieren, die für unsere Ernährung getötet werden. Zum Vergleich: Das ist mehr als das 28-fache der Menschen, die jemals gelebt haben, und das 405-fache der aktuellen weltweiten Bevölkerungszahl – und dabei werden nur landbewohnende Tiere einbezogen. Eine Berücksichtigung der 1,85 Billionen jährlich getöteten Fische ließe die Gesamtzahl auf fast 83 Billionen Tiere steigen. Und selbst dabei wird die Zahl der unzähligen Krebs-, Weich- und anderer wirbelloser Meerestiere nicht einberechnet.

Zudem führen die grausamen Haltungsbedingungen der Industrie dazu, dass die hier genannten Tiere ein qualvolles Leben führen. Für sie stellt die Schlachtung nur das Ende eines kurzen, schmerzerfüllten Lebens dar. Das Schicksal der in Schleppnetzen gefangenen Meerestiere, die an Land einen stundenlang andauernden Erstickungstod erleiden müssen, ist genauso brutal.

Trotz dieser Argumente wird der Tod eines nichtmenschlichen Tieres als weniger wichtig betrachtet als der eines Menschen. Der Tod eines Haustieres wird betrauert, doch gleichzeitig wird unbekümmert Geld für das Essen des toten Körpers eines fremden Tieres ausgegeben. Diese Diskrimination aufgrund der Spezies, in der manche Individuen bloß wegen ihrer Gattung als wertvoller angesehen werden als andere, nennt man Speziesismus.

Diese Unterscheidung zwischen Nutz- und Haustieren zeigt, dass unsere Gesellschaft stark “speziesistisch” geprägt ist. Wenn man dieses Thema einmal genau betrachtet, ist unklar, warum man Spezies überhaupt ethisch unterscheiden sollte. Ist es nicht egal, ob ein Lebewesen 2 oder 4 Beine oder einen Mund, eine Schnauze oder einen Schnabel hat? Mit welchem Recht verweigern wir einem Schwein sein Recht auf körperliche Unversehrtheit? Sieht es „falsch“ aus oder hat es die „falsche“ DNA? Das kann nicht wirklich unsere Meinung sein.

Ergibt es keinen Sinn, dieselben Interessen auf dieselbe Weise zu werten oder dass Leid unabhängig von der Spezies des Opfers Leid bleibt? Wenn man dieses intuitive Prinzip verinnerlicht, dann ist der Speziesismus – als eine Form der Diskrimination – analog zum Rassismus oder Sexismus anzusehen. In Anbetracht der riesigen Anzahl nichtmenschlicher Tiere auf der Erde und all der schrecklichen Bedingungen, unter denen die meisten leben müssen, kann man sich kaum eine Erkenntnis vorstellen, die wichtiger ist als die der Ablehnung des Speziesismus.

Die Frage ist nicht „Können sie denken?“ und auch nicht „Können sie sprechen?“, sondern „Können sie leiden?“ – Jeremy Bentham

Empfindungsvermögen – die Fähigkeit, subjektiv zu fühlen und zu erleben – stellt vielleicht eine objektivere Einheit moralischen Wertes dar. Diese Fähigkeit wird, da ist sich die Wissenschaft einig, von den meisten Lebewesen geteilt. Für jedes empfindungsfähiges Individuum ist das Hauptbestreben zu verhindern, dass es leidet oder getötet wird. Wenn man bedenkt, dass Ethik unparteiisch sein sollte, stehen wir moralisch in der Pflicht, das Leiden empfindungsfähiger Lebewesen so gut wie möglich zu verhindern.

Eine fleischlose Ernährung würde nicht nur 8 Millionen Leben retten, sondern auch den Tod Billionen anderer empfindungsfähiger Lebewesen verhindern. Somit ist die Reduktion des Fleischkonsums in unserer Gesellschaft das Anliegen extremer moralischer Dringlichkeit. Aber es gibt auch gute Neuigkeiten. Wir alle können zu dieser dringend nötigen Veränderung beitragen und dem Leid unzähliger Lebewesen vorbeugen. Neben der persönlichen Entscheidung, weniger oder gar kein Fleisch zu essen, ist die Unterstützung politischer Arbeit oder das Spenden zu effektiven Organisationen von großer Bedeutung.

Leider ist es unwahrscheinlich, dass wir die gesamte menschliche Population von einer vegetarischen oder veganen Ernährung überzeugen können. Deswegen brauchen wir womöglich die Hilfe von kultiviertem Fleisch und anderen kreativen Lösungen, um dieses globale Problem zu bekämpfen.

Referenzen

  1. Schätzungen basierend auf FAO-Statistiken von 2012 (68 Milliarden).
  2. 70 Milliarden Tiere jährlich bis 2050 + geschätzte 25% Bevölkerungswachstum bis zum Jahr 2050 + geschätzte 3% Steigerung des Fleischkonsums bis 2050

Übersetzung von Animal Equality Deutschland


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