Die Gestaltung des eigenen Berufswegs gehört vermutlich zu den wichtigsten Entscheidungen unseres Lebens. Durchschnittlich stehen ca. 80 000 Stunden auf dem Spiel. Wie man diese Zeit nutzt, hat großen Einfluss darauf, welche Fähigkeiten man entwickelt und welche Ressourcen man zur Verfügung hat.

Wir von Sentience Politics wollen junge Menschen dabei unterstützen, mit ihrer Berufswahl so vielen Individuen wie möglich zu helfen. Da die Berufswahl so ausschlaggebend ist für das, was wir in unserem Leben erzielen können, sollten wir diese Entscheidung methodisch und evidenzbasiert angehen. Weitverbreitete Weisheiten wie “Folgen Sie Ihrer Leidenschaft” helfen uns kaum dabei, besonders wirkungsvolle Optionen zu identifizieren oder langfristige Zufriedenheit sicherzustellen. Deshalb wollen wir auf dieser Seite wichtige Ratschläge bereitstellen. Da aber jede/r verschiedene Fähigkeiten, Beschränkungen und Motivationen mitbringt, kann es große Unterschiede zwischen den jeweils optimalen Berufswegen geben.

Generelle Überlegungen zu einer altruistischen Berufswahl

Die richtige Berufswahl ist selbstverständlich stark abhängig von der persönlichen Eignung und Motivation. Trotzdem können einige generelle Überlegungen bei der Wahl helfen. Nicht alle Berufswege sind gleichermaßen geeignet, Leid in der Welt zu verhindern, und hoffentlich ist der folgende Leitfaden ein guter Startpunkt, um über mögliche Berufsoptionen nachzudenken.

Die Bedeutung von Ersetzbarkeit

Ersetzbarkeit bezieht sich auf die Wahrscheinlichkeit, dass eine andere ähnlich qualifizierte Person die Stelle einnehmen würde, die man gerade in Betracht zieht.

Angenommen Sie würden ein Studium an einer tierärztlichen Hochschule beginnen, werden dann Tierarzt/Tierärztin und können 1000 Tiere vor großem Leid bewahren. Auf den ersten Blick scheint es so, als drücke sich die eigene Wirkung in den genannten 1000 Tieren aus. Allerdings ist die Aufnahme an tierärztlichen Hochschulen stark umkämpft. D.h. für jeden Platz gibt es mehrere Bewerber/innen. Falls Sie das Angebot also nicht angenommen hätten, wäre eine andere Person mit ähnlichen Fähigkeiten an Ihre Stelle getreten. Diese wiederum hätte wahrscheinlich ungefähr genauso vielen Tieren geholfen. Die positive Wirkung der Entscheidung Tierarzt/Tierärztin zu werden, ist also um einiges geringer als zunächst vermutet.

In Berufswegen mit geringer Ersetzbarkeit hingegen tritt die Wirkung wahrscheinlich nicht ein, wenn man nicht selbst diesen Pfad wählt. Nehmen wir einmal an, Sie haben die Fähigkeiten, um als Bioingenieur/in in einem Start-up zu arbeiten, das an der Entwicklung von kultiviertem Fleisch arbeitet. Nun gibt es nur sehr wenige Bioingenieure/innen und noch weniger, die sich für eine solche Stelle bewerben würden. Falls eine solche Firma Ihnen ein Angebot macht und Sie es ausschlagen, ist es sehr gut möglich, dass sie keine andere geeignete Person finden werden. Die Tiere, die Sie durch Ihre Arbeit hätten retten können, sind verloren.

Für Hilfsorganisationen arbeiten oder sie finanzieren

Selbst an wichtigen Projekte zu arbeiten, ist nicht der einzige Weg, eine positive Wirkung zu erzielen. Tatsächlich sind einige von uns besser geeignet, lukrative Berufswege einzuschlagen, um einen großen Teil des Einkommens an besonders wirkungsvolle Organisationen zu spenden. Ohne diese Einnahmen wären sie beispielsweise nicht in der Lage, zusätzliche Personen anzustellen. Diese Strategie nennt sich professionelles Spenden (engl. Earning to Give).

Nehmen wir an, Sie können zwischen zwei Stellen wählen: eine in der Privatwirtschaft – vielleicht in einer besonders lukrativen Branche wie Tech, Finanzwirtschaft oder Recht – und eine bei einer Tierrechtsorganisation. Ihr Einkommen im Unternehmen wäre 150 000 EUR; bei der Hilfsorganisation nur 30 000 EUR. Auf den ersten Blick scheinen Sie bei der Tierrechtsorganisation eine größere Wirkung zu erzielen. Denn mit der direkten Arbeit würden Sie dort sicherlich mehr nichtmenschlichen Tieren helfen können als in der Privatwirtschaft. Was aber würde passieren, wenn Sie die Stelle im Unternehmen annehmen, ihren Lebensunterhalt mit 30 000 EUR bestreiten – wie bei der Tierrechtsorganisation – und die übrigen 120 000 EUR an genau diese Organisation spenden? Dadurch könnten Sie zusätzlich zu der Stelle, die Ihnen ursprünglich angeboten wurde, vier neue Positionen schaffen. Falls die Organisation genug qualifizierte Bewerber/innen hat, aber nicht über die finanziellen Mittel verfügt, diese alle anzustellen, ist das Bereitstellen von Geld weitaus wirksamer, als direkt dort zu arbeiten. Umgekehrt, falls die Organisation nicht genügend gute Bewerbungen erhält, aber über ausreichende finanzielle Ressourcen verfügt, sollten Sie wahrscheinlich die Stelle dort selbst antreten.

Die Ersetzbarkeit beim professionellen Spenden ist ebenfalls sehr gering. Denn es ist äußerst unwahrscheinlich, dass der/die nächstbeste Bewerber/in einen solch großen Anteil des eigenen Einkommens spenden würde.

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