Tierschutz in der Architektur dank Animal Aided Design?

Wenn von Tierschutz gesprochen wird, ist gewöhnlich von Nutz- oder Haustieren die Rede. Zur Sicherstellung des Wohles dieser Tiere hat das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen Gesetze erlassen. Die Nutztierhaltung beispielsweise muss bestimmten Tierschutzvorschriften entsprechen und auch bei der Heim- und Wildtierhaltung müssen Gehege und Haltung den Mindestanforderungen entsprechen. Doch Tierschutz soll nicht bei den sogenannten „Nutztieren“ aufhören. Es sollen auch die freilebenden Wildtiere miteinbezogen werden. Eine Massnahme, um diese im urbanen Raum zu schützen und zu fördern, ist das Animal Aided Design (AAD). Es bietet die Möglichkeit, dank einem gezielten Planungsprozess von Gebäuden und Freiräumen im urbanen Raum die Stadtwildtiere vor einem Lebensraumverlust zu schützen. Der wichtigste Aspekt dabei ist, dass der gesamte Lebenszyklus einer Tierart bereits zu Beginn einer Planung miteinbezogen wird. Somit gelingt es, Architektur und Tierschutz erfolgreich zu vereinen.

Das AAD
Ein deutsches Konzept, welches sich mit dem Vorkommen von Tieren im Siedlungsraum beschäftigt, ist das Animal Aided Design (AAD). Es hat zum Ziel, bei der Planung von Freiräumen (im Siedlungsraum) das Tier und dessen Lebenszyklus von Anfang an miteinzubeziehen und sie so zu einem integralen Bestandteil der Entwurfsplanung zu machen. Das AAD soll für den Gestalter jedoch keine Einschränkung der Planungsmöglichkeiten darstellen, sondern vielmehr als Erweiterung dienen. Das Konzept ist hauptsächlich für den städtischen Raum einsetzbar und findet in unterschiedlichen Planungsfeldern Anwendung. Beispiele dafür sind: klimatische Gebäudesanierung, Umgestaltung eines Quartiers, Umsetzung einer Biodiversitätsstrategie, kleinräumige Umgestaltungen sowie die Planung weitläufiger Parks.

Konkret wird bei einem AAD in einem ersten Schritt ein Artenportrait erstellt, welches die kritischen Standortfaktoren in den verschiedenen Lebensphasen aufzeigt. Diese sind beispielsweise: Brutplatz, Nahrung für Jungtiere und Adulte, Schlafplatz, Körperpflege und Gefahren. Die Anforderungen an diese Faktoren müssen erfüllt werden, sodass das Überleben der Tierart in jeder Lebensphase theoretisch gesichert ist. Aufbauend darauf werden artspezifische Entwurfbausteine geplant. Das heisst, es werden am Gebäude oder im umliegenden Raum Strukturen geschaffen, die zum Erfüllen dieser kritischen Faktoren beitragen. Nahrungspflanzen, Ast- oder Steinhaufen, Rückzugsmöglichkeiten wie Kraut- oder Strauchschicht, Nestbaumaterialien und Baumhöhlen sind einige Beispiele davon.

 

 

Im Rahmen meiner Bachelorarbeit an der ZHAW Wädenswil wurde aufbauend auf dem AAD ein sogenanntes Ecosystem Aided Design (EAD) entwickelt. Der Blickwinkel soll geöffnet werden und räumliche Dimensionen vom Gebäude (Ebene AAD), vom Quartier, zur Stadt bis hin zum gesamten Siedlungsraum abgedeckt werden. Dank diesem Ansatz wird es auch möglich, abschätzen zu können, wie sinnvoll gewisse Massnahmen an einem Ort sind. Die Förderung des Igels beispielsweise macht nur dort Sinn, wo er auch vorkommt oder sich dank Vernetzungskorridoren fortbewegen kann.

Die erweiterten räumlichen Dimensionen des AAD berücksichtigen zusätzlich die Vernetzung der Arten. Mithilfe von Inventaren kann eruiert werden, welche Arten bereits in einem Gebiet vorkommen und wie wahrscheinlich deren Ausbreitung ist. Die Zielarten einer Planung werden diesem Vorkommen angepasst, womit die Chancen erhöht werden, dass sie sich am gewünschten Ort etablieren können. Das Integrieren von Lebensräumen bringt einen noch grösseren positiven Effekt für die Biodiversität mit und stellt sicher, dass die unterschiedlichen Tierarten nachhaltig geschützt und gefördert werden können.

In Anbetracht auf die effektive Wirkung des AAD / EAD wäre es wünschenswert, gewisse Konzepte davon politisch umzusetzen. Denkbar wäre beispielsweise, dass im Tierschutzgesetz verankert würde, dass ein AAD im Rahmen der Möglichkeiten realisiert werden müsste. Somit könnte sichergestellt werden, dass die Wildtiere im urbanen Raum aktiv geschützt werden. Die stetige Verdichtung könnte demzufolge sogar eine Chance sein, da bei jedem Um- oder Neubau dank dem AAD zusätzliche Lebensräume geschaffen würden.

Angaben zur Gastautorin
Sara Wegmann, 24 Jahre, Umweltingenieurin, Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW)
wegmannsara@gmail.com

Quelle der AAD Bilder
Buntspecht, Lebenszyklus und Kritische Standortfaktoren
Hauck, T. E. & Weisser, W. W. (2015). AAD – Animal Aided Design. München: Technische Universität München.


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