Schluss mit der CO2-Betäubung von Schweinen!

Nachdem eine Analyse des BLK zwischen Januar 2018 und März 2019 bei 67 Schlachtbetrieben teils gravierende Mängel bei der Kontrolle des «Betäubungs- und Entblutungserfolgs» festgestellt hat, wurde entschieden, die Verordnung des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) über den Tierschutz beim Schlachten (VTSchS) einer Totalrevision zu unterziehen. Die Vernehmlassung dazu endet heute.

Sentience Politics begrüsst die Tatsache, dass die Verordnung einer Revision unterzogen wird. Diese ist ein wichtiger Schritt, um bisherige Mängel beim Tierschutz in den verschiedenen Schlachtprozessen zu beheben. Es braucht aus unserer Sicht aber weitere Verbesserungen, die im Rahmen der vorliegenden Revision aufgenommen werden müssen.

Verbot des Betäubens mit CO2
Aus Sicht von Sentience Politics muss die CO2-Betäubung verboten werden, da sie mit massivem Tierleid einhergeht. Die Betäubungsweise wirkt verzögert, was dazu führt, dass die Schweine ihr Wahrnehmungs- und Empfindungsvermögen erst nach einiger Zeit verlieren. Eingeatmetes CO2 in hoher Konzentration führt zudem zu schweren Reizungen der Augen, der Nasenschleimhäute und der Lunge. Dies führt aufgrund der vorhandenen Chemorezeptoren im Rachenraum der Tiere zu einer insgesamt enorm schmerzhaften und leidvollen Erfahrung. Der Mangel an Sauerstoff verursacht zudem ein Gefühl der Atemlosigkeit, das zu Panik führen kann.

Zum Betäuben mit CO2 gibt es Alternativen wie Neongas oder Gasgemische von Argon oder Stickstoff mit CO2, die weiter erforscht werden müssen. Diese Forschung nach Alternativen muss aktiv gefördert werden. Auch in der EU sorgte dieses Thema bereits für Gesprächsstoff – erst kürzlich wurde ein Budget von 2 Millionen Euro zur Erforschung von Alternativen gesprochen.

E-Treiber verursachen unnötiges Tierleid
Für Sentience Politics ist klar, dass beim Treiben der Tiere nach der Anlieferung zum Schlachthaus komplett auf den Einsatz des E-Treibers verzichtet werden soll. Die davon ausgehenden Elektroschocks stellen für die Tiere eine enorme Belastung in einer auch sonst schon schwierigen und ungewohnten Situation dar und sind mit Schmerzen verbunden. Es sollte auf schonendere, tierfreundlichere Alternativen ausgewichen werden.

Fehlbetäubungen verhindern
Der Bericht «Tierschutz und Fleischkontrolle in Schlachtbetrieben» des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen aus dem Jahr 2020 zeigt, dass bei der Betäubung der Schlachttiere dringender Handlungsbedarf besteht. Es fehlen Kontrollen des Betäubungserfolgs, die Betäubungszange wird nicht korrekt angesetzt oder die Zeitspanne zwischen Betäuben und Entblutungsschnitt ist zu lang. Dadurch entsteht unnötiges Tierleid. Hier braucht es bessere Methoden, bessere Schulungen und eine genaue Dokumentation.

Nachbetäuben von Geflügel nach Fehlbetäubung
Der Vernehmlassungsentwurf sieht vor, dass bei Hausgeflügel mit einem Lebendgewicht bis 2 Kilogramm auch das unverzügliche Töten durch Dekapitation zulässig ist. Sentience Politics lehnt diese Bestimmung entschieden ab. Auch bei Geflügel fordern wir nach einer Fehlbetäubung eine angemessene Nachbetäubung. Eine direkte Enthauptung bei Bewusstsein darf nicht möglich sein. Dasselbe gilt für den Fall einer mangelhaften Entblutung.

Wieso nur Panzerkrebse?
Die Regelungen zur schonenderen Schlachtung werden im Bereich der Krebstiere ausschliesslich auf Panzerkrebse bezogen – eine Tatsache, die sich wissenschaftlich nicht nachvollziehen lässt. Hier müssen aus Sicht von Sentience Politics zwingend auch andere Krebstiere eingeschlossen werden, bei welchen der Aufbau der Nervenzentren mit demjenigen der Panzerkrebse vergleichbar ist.


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