Rückblick Podium „Können wir uns Tier- und Umweltschutz noch leisten?“

Unter dem kontroversen Titel „Können wir uns Tier- und Umweltschutz noch leisten?“ haben wir am  Mittwoch, 12. Juni 2019 an der Universität Zürich ein Podium mit hochkarätigen Gästen veranstaltet.

Die Veranstaltung wurde durch Dr. Priska Baur, Autorin diverser Studien zu nachhaltiger und weniger tierbasierter Landwirtschaft in der Schweiz, eröffnet. In einem spannenden Inputreferat stellte Dr. Priska Baur (ZHAW) fest, dass die Umweltziele in der Landwirtschaft seit Jahren verfehlt werden und es eine grosse Kluft gibt zwischen den Vorstellungen der Konsumierendenvon von tierfreundlicher Tierhaltung und der tatsächlichen Situation in der schweizer Landwirtschaft. Sie führte weiter aus, dass die Tierindustrie zu grossen Teilen nicht zur Selbstversorgung der Schweiz beiträgt, sondern grosse Importe beispielsweise von Eiweiss- und Getreidefuttermitteln nötig macht.

Baur plädierte für eine Landwirtschaft, welche die Ökosystemgrenzen respektiert. In diesem Rahmen wären auch Importe im Rahmen globaler Ökosystemgrenzen möglich. Je nach Modell müsste vor allem der Tierbestand bei Schweinen und Geflügel deutlich sinken. Dies würde allerdings auch eine Anpassung der Schweizer Ernährung nötig machen, insbesondere einer Reduktion von Fleisch, Eiern, Milch und Milchprodukten. Hier sind die Folien dieses interessanten Vortrages verlinkt.

Anschliessend stellte Adrian Krebs, Chefredakteur der Bauernzeitung, die jeweiligen Podiumsteilnehmenden vor.

Meret Schneider stieg für uns als Co-Geschäftsleiterin in den Ring. Sie wuchs neben einem Bauernhof auf und sitzt mittlerweile für die Grünen im Zürcher Kantonsrat und im Gemeinderat von Uster. Sie nahm das Inputreferat von Priska Baur dankbar auf.

Noémie Roten stammt ursprünglich aus dem Wallis und arbeitet seit 2017 beim liberalen Thinktank Avenir Suisse. Zusammen mit Philipp Dümmler verfasste sie die vielbeachtete Studie „Eine Agrarpolitik der Zukunft“. Sie störte sich an den neuen Regulierungen, die von der Massentierhaltungsinitiative vorgeschlagen werden. Es brauche mehr Platz für Innovationen für die  Landwirte. Entsprechend müsse man die Agrarmarktöffnung auch als Chance sehen und die Gelegenheit nutzen, sich zu verkleinern, zu spezialisieren und Marktnischen zu besetzen. Eine offene Frage hierbei blieb jene nach der Preisentwicklung bei einer Marktöffnung, die viele Bauern in Bedrängnis bringen dürfte.

Erwin Kündig ist Geflügelzüchter in Grüningen ZH. Einen Teil seiner Produktion verkauft er direkt über seinen Hof oder seinen Onlineshop. Im lag während der Diskussion am Herzen, dass Landwirte wie er sehr wohl am Wohlergehen ihrer Tiere interessiert sind. Ausserdem seien die Bedingungen für die Tiere beispielsweise in Brasilien oder Ungarn für die Tiere im Gegensatz zur Schweiz sehr schlecht.

Meinrad Pfister ist Zentralpräsident des Schweinezüchterverbands suisseporcs. Er hat einen eigenen Schweinebetrieb in Altishofen und ist nebenbei als Unternehmer in der Solar- und Biogasbranche tätig. Pfister betonte, dass suisseporcs keine „schwarzen Schafe“ bezüglich Tierschutz in ihren Reihen dulde und bereits jetzt weit über den gesetzlich vorgeschriebenen Standards produziere. Die Landwirte würden sofort mehr nachhaltiges Schweinefleisch produzieren, wenn es die Konsument*innen denn bezahlen würden. In diesem Rahmen beklagte er sich über die Ohnmacht der Produzenten gegenüber den grossen Konzernen wie Migros oder Coop, die im letzten Halbjahr den Anteil Labelfleisch bei Schweinen und Kälbern drastisch reduzierten..

Die Debatte wurde zum Teil emotional geführt. Es wurde aber auch klar, dass die Anliegen von Tierschutz und Landwirtschaft nicht diametral auseinanderliegen und viel erreicht werden könnte, wenn sich Produzierende, Konsumierende und die Politik vermehrt direkt austauschen würden.


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