Replik auf die ersten Medienberichte

Wir freuen uns über die zahlreichen Artikel zur Medienmitteilung vom 21.3.2014! Die NZZ am Sonntag beispielsweise hat getitelt “Veganer starten politische Offensive” und die Hauptanliegen unserer Initiativen genannt. In manchen Punkten wurde Sentience Politics allerdings missverständlich dargestellt. Dazu einige Klarstellungen:

1. Sentience ist kein Projekt nur von Veganen für Vegane. Zu den UnterstützerInnen von Sentience zählen ebenfalls VegetarierInnen, FlexitarierInnen und gerade auch viele FleischesserInnen. Ihnen allen ist die Ansicht gemeinsam, dass es wünschenswert ist, den Anteil pflanzlicher Produkte in unserer Ernährung zu erhöhen – um den Klimawandel einzudämmen; um effizienter mit den unseren Ressourcen umzugehen; um gesünder zu essen (weil der Fleischanteil gesenkt und der Pflanzenanteil an unserer Ernährung erhöhtwird); und um das Tierwohl zu fördern.

2. Es geht gerade nicht um eine “Verzichtshaltung” (NZZ) und schon gar nicht um eine Verbots- oder Gebotskultur, wie 20minuten suggerierte. Die Sentience-Initiativen sind explizit darauf angelegt, die Wahlfreiheit nicht zu beschränken, sondern sie im Gegenteil zu erhöhen! Die Erweiterung des hochwertigen pflanzlichen Angebots erhöht die Wahlfreiheit aller KonsumentInnen. Nationalrat und Sentience-Unterstützer Bastien Girod hat dieses Konzept – “Nudging” – unlängst in der NZZ beschrieben. Es ist möglich, strukturell etwas zu bewirken, ohne die individuelle Wahlfreiheit zu tangieren.

Zudem stellt die pflanzliche Küche auch an sich keinen Verzicht dar, wie etwa der junge Koch und Autor Philip Hochuli eindrücklich aufzeigt. In einem Mensa-Experiment an der Uni Bochum haben 90% der Gäste nicht gemerkt, dass ihr “Rindergulasch” pflanzlich war.

3. Es trifft nicht zu, dass Sentience argumentativ einen engen Tierfokus hat und “daneben noch viele andere Vorteile in einer Ernährung erkennt, die ohne Tierzucht auskommt” (NZZ). Das Ziel besteht darin, für alle empfindungsfähigen Wesen möglichst viel unnötiges Leid zu verhindern. Das bedeutet nicht, dass die nicht-menschlichen Tiere im Vordergrund stehen. Wenn es uns z.B. nicht gelingt, den Klimawandel einzudämmen, laufen wir Gefahr, dass unzähligen Menschen grosses Leid widerfahren wird. Sentience bemängelt konkret, dass die Tierprodukte in der Klimadebatte kaum thematisiert werden, obwohl sie gemäss FAO-Studien genauso klimaschädlich sind wie das gesamte Verkehrswesen!

4. Die NZZ schreibt, das BAG habe vom Veganismus bisher eher abgeraten, der als Ernährungsform zwar möglich, für breite Bevölkerungskreise aber nicht zu empfehlen sei. Dazu ist zu sagen: Das Ziel der Sentience-Initiativen ist es, den Anteil pflanzlicher Ernährung an unserer Ernährung zu erhöhen. Die Verfügbarkeit einer veganen Menüoption, die man wählen kann, wenn und wann man will, macht niemanden zum Veganer. Und die Erhöhung des Anteils pflanzlicher Menüs ist unbestritten gesund. Das BAG bestätigt im Bericht, den die NZZ erwähnt, dass VegetarierInnen im Schnitt gesünder sind als FleischesserInnen. Das BAG schreibt darin auf Seite 7:

«Sind Vegetarier gesünder? Es geht auf Grund vieler epidemiologischen Studien hervor, dass Leute mit einer vegetarischen Ernährung gegenüber Omnivoren klare gesundheitliche Vorteile haben:

  • sie sterben weniger häufig an Herzkreislauferkrankungen und weisen bessere Blutlipidwerte auf
  • sie sterben weniger häufig an Krebs und haben auch ein kleineres Risiko an Krebs zu erkranken
  • sie haben tiefere Blutdruckwerte
  • sie haben tiefere BMI-Werte und besitzen ein geringeres Risiko für Adipositas und deren Folgekrankheiten»

Natürlich ist es nicht ganz trivial, Korrelation von Kausalität zu trennen. Aber die wissenschaftliche Datenlage spricht klar dafür, dass vegetarische Ernährungsformen gesund und vermutlich bedeutend gesünder sind als die aktuelle Durchschnittsernährung.

Weiter rät das BAG der “breiten Bevölkerung” deshalb von der rein veganen Ernährung ab, weil diese nicht über hinreichendes Ernährungswissen verfüge. Es handelt sich also nicht um ein medizinisches Problem, sondern um ein bildungs- und kulturtechnisches. Die Sentience-Initativen würden einen Beitrag leisten, dieses Problem zu lösen: Sie schlagen vor, Hauswirtschaftslehrpersonen und SchülerInnen auch mit der veganen Küche vertraut zu machen. Angesichts der mittlerweile breit verfügbaren hochwertigen veganen Lebensmittel ist in der Praxis kein aufwändiges Wissen erforderlich, um sich auch vegan gesund und gut zu ernähren. Zudem ist es ohnehin wünschenswert, das Bildungsniveau hinsichtlich gesunder Ernährung zu fördern. Das BAG hinkt in dieser Hinsicht dem wissenschaftlichen Stand und den Empfehlungen anderer Länder hinterher, etwa den USA, Kanada und Australien:

«Australia’s peak health body, the NH&MRC, has finally recognised that a vegan diet is a viable option for all Australians. Australia’s top health experts are now in agreement with those in the USA and Canada that well-planned vegan diets are safe and healthy for all age groups.»

Und die amerikanisch-kanadische Academy of Nutrition and Dietetics – die weltweit grösste ernährungswissenschaftliche Organisation – schreibt in ihrem mit 250 wissenschaftlichen Quellen unterlegten Positionspapier:

«It is the position of the American Dietetic Association that appropriately planned vegetarian diets, including total vegetarian or vegan diets, are healthful, nutritionally adequate, and may provide health benefits in the prevention and treatment of certain diseases. Well-planned vegetarian diets are appropriate for individuals during all stages of the life cycle, including pregnancy, lactation, infancy, childhood, and adolescence, and for athletes.»


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