Ort

Luzern

Politische Ebene

Gemeinde

Benötige Unterschriften

800

Zeitraum

2 Monate

Status

Gegenvorschlag angenommen

Medienberichte

11

Der Gegenvorschlag wurde im Rat angenommen!

Die Initiative «Nachhaltige und faire Ernährung» wurde am 23. November 2016 von uns eingereicht. Sie verlangt in der Form des ausgearbeiteten Entwurfs vom Stadtrat, dem Grossen Stadtrat einen Bericht und Antrag vorzulegen, der eine Ergänzung des städtischen Energiereglements durch einen neuen Artikel zur Förderung der nachhaltigen Ernährung umfasst.

Der Stadtrat geht mit den Initiantinnen und Initianten einig, dass die Ernährung einen bedeutenden und häufig unterschätzten Anteil an den gesamten durch den Konsum in der Schweiz verursachten Umweltbelastungen ausmacht. Er steht den Grundanliegen der Initiative positiv gegenüber:

  • Förderung des Wissensstands der Bevölkerung über die ressourcenschonende Ernährung,
  • Förderung der Ausweitung des ressourcenschonenden Ernährungsangebots im Rahmen der städtischen Handlungsmöglichkeiten.
  • Eine ressourcenschonende Ernährung ist ein wichtiger Baustein der kommunalen Energie- und Klimapolitik.

 

Daher hat der Stadtrat die Initiative nicht einfach abgelehnt, sondern einen Gegenvorschlag dazu präsentiert. Gründe dafür, dass der Stadtrat die Initiative nicht gemäss ihrem ursprünglichen Wortlaut umsetzen wollte, waren unter anderem:

 

  • Der sehr beschränkte Handlungsspielraum in Bezug auf städtische Verpflegungseinrichtungen
  • Die zu detaillierte Formulierung des vorgeschlagenen Artikels, sowie
  • Das verlangte Controlling, das nur mit sehr grossem Aufwand möglich wäre

 

Der Stadtrat schlug dem Grossen Stadtrat als Gegenvorschlag zur Initiative vor, das Energiereg- lement durch einen neuen Artikel 5b zum Thema graue Energie in der Ernährung zu ergänzen. Als graue Energie wird diejenige Energiemenge bezeichnet, welche für Herstellung, Transport, Lagerung, Verkauf und Entsorgung eines Produktes aufgewendet wird. Insbesondere im Ernährungsbereich ist der Anteil der grauen Energie hoch und dies besonders aufgrund der Tierprodukte. Eine Reduktion der grauen Energie in der Ernährung bedeutet folglich auch eine Senkung des Tierproduktekonsums.

 

Der Gegenvorschlag des Stadtrates lautet wie folgt:

 

1.Das Reglement für eine nachhaltige städtische Energie-, Luftreinhalte- und Klimapolitik (Energiereglement) vom 9. Juni 2011 wird wie folgt geändert:

Art. 5b Graue Energie [neu]

Die Stadt Luzern leistet im Rahmen ihrer Zuständigkeiten einen Beitrag zur Reduktion des mit der Ernährung sowie mit dem Konsum von weiteren Gütern und Dienstleistungen- verbundenen Energie- und Ressourcenverbrauchs (graue Energie), insbesondere über die Bautätigkeit, das Beschaffungswesen und durch Information und Kommunikation.

Zudem wurde er von SP, Grünen und GLP auf unser Lobbying hin mit folgendem Passus ergänzt:

«Die Stadt setzt sich im Rahmen ihrer Zuständigkeit für die Förderung der nachhaltigen Ernährung und die Information über den Einfluss der Ernährung auf das globale Klima und die Umwelt ein.»

 

Diese Änderung tritt am 1. Juni 2018 in Kraft. Sie ist zu veröffentlichen.

Da hiermit unsere zentralen Punkte, nämlich ein Engagement der Stadt in Bezug auf nachhaltige und das heisst pflanzenbasierte Ernährung und die entsprechende Sensibilisierung der Bevölkerung mittels Informationskampagnen im Gesetz verankert werden, sind wir mit diesem Vorschlag zufrieden. Dies besonders deshalb, weil er ohne direkte Volksabstimmung ins Gesetz gelangt, wenn er vom Parlament gutgeheissen wird. Somit gehen wir nicht das erhebliche Risiko ein, die Abstimmung zu verlieren und dann materiell nur wenig erreicht zu haben, was in Luzern ein wahrscheinlicher Outcome gewesen wäre.
Dank unserem Lobbying im Rat haben wir es geschafft, dass der Gegenvorschlag angenommen wurde, sich die Stadt Luzern zukünftig für nachhaltige Ernährung einsetzen muss und dieses Thema somit politisch eine höhere Priorität erfährt!

Natürlich ist dies noch nicht das Ende der Geschichte: Auch im Rat werden wir das Thema mit Motionen weiterhin bearbeiten – wir bleiben dran!

 

Initiativtext

Gestützt auf § 131 des Stimmrechtsgesetzes und Artikel 6 der Gemeindeordnung der Stadt Luzern verlangen die unterzeichneten Stimmberechtigten der Stadt Luzern in Form des ausgearbeiteten Entwurfs folgende Änderungen des Reglements für eine nachhaltige städtische Energie-, Luftreinhalte- und Klimapolitik (Energiereglement):

Art. 5b Förderung der nachhaltigen Ernährung (neu)

1 Zur Förderung einer ressourcenschonenden Ernährung klärt die Stadt Luzern die Bevölkerung unter Berücksichtigung aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse über die Auswirkungen des Tierproduktekonsums auf das Klima, den Ressourcen- und Landverbrauch, die Gesundheit und das Tierwohl auf. Sie erarbeitet Empfehlungen zur Senkung des Konsums von Tierprodukten und zur Erhöhung des Anteils ressourcenschonender pflanzlicher Ernährung.

2 Im Rahmen ihrer Kompetenzen fördert die Stadt Luzern die Ausweitung des ressourcenschonenden Ernährungsangebots. Sie berücksichtigt alle wesentlichen Nachhaltigkeitskriterien, insbesondere die pflanzliche Ernährung, die Regionalität und die Saisonalität. In den Verpflegungseinrichtungen öffentlich-rechtlicher Anstalten sowie weiterer Verwaltungsträger fördert sie das vegetarische und vegane Ernährungsangebot und sorgt dafür, dass in Verpflegungseinrichtungen, die mehr als ein Menü zur Auswahl haben, täglich mindestens ein veganes Menü angeboten wird. Die Stadt Luzern strebt soweit erforderlich die Zusammenarbeit mit dem Kanton an.

Art. 6 Abs. 1 Massnahmen

1 Die Stadt Luzern trifft zur Erreichung der in Art. 5 definierten Absenkpfade, der in Art. 5a festgelegten Zielsetzungen und der Bestimmungen in Art. 5b die in ihrem Einflussbereich liegenden Massnahmen.

Art. 7 Abs. 2 Controlling

2 Sollte sich zeigen, dass die Absenkpfade nicht eingehalten werden können und die Zielsetzungen für Solarstrom und solare Wärme gemäss Art. 5a nicht erreicht werden oder Erfolge im Sinne von Art. 5b ausbleiben, so ist die Massnahmenumsetzung in Koordination mit den entsprechenden Bestrebungen von Bund und Kanton Luzern zu intensivieren

lucerne-launch

Positionspapier

Medien

Medienmitteilung Bildmaterial Medienkontakt

Prominente Unterstützerinnen und Unterstützer

Diese Persönlichkeiten unterstützen unser Positionspapier „Nachhaltige Ernährung“, das die Grundlage für diese Initiative bildet.

Team Member Portrait

Moritz Leuenberger | Ehemaliger Bundesrat

«Diskussionen über Ernährung enden oft in emotionalen Glaubensbekenntnissen. Mit tatsächlichen Zusammenhängen zwischen Fleischproduktion, Wassermangel und Armut können Vegetarier rationaler argumentieren. Und die Herzen der Gegner überzeugen sie am besten mit dem eigenen guten Beispiel.»

Team Member Portrait

Jean Ziegler | Soziologe und Beauftragter des UNO-Menschenrechtsrats

«Die Initiative ist von grosser Wichtigkeit für die Förderung der öffentlichen Gesundheit und den Kampf gegen die verheerenden Folgen der heutigen industriellen Nahrungsmittelproduktion.»

Team Member Portrait

Irmi Seidl | Ökonomin und Autorin

«Im Text „Nachhaltige Ernährung“ hat Sentience Politics zahlreiche eindrückliche Argumente für eine stärker pflanzlich ausgerichtete Ernährung zusammengetragen. Eine solche Ernährung lässt alle gewinnen.»

Team Member Portrait

Jürg Grossen | Nationalrat (glp)

«Für 1kg Rindfleisch braucht es rund 10kg Getreide und Soja und über 15 000 Liter Wasser. Ein Kraftwerk mit ähnlich tiefem Effizienzgrad hätte man schon längst abgestellt.»

Team Member Portrait

Bastien Girod | Nationalrat (Grüne)

«Der einzige Grund, warum ich nicht so oft pflanzlich esse, wie ich möchte, ist der, dass ich nicht genug “genudgt” werde. Dieses Problem lässt sich mit der Erweiterung des pflanzlichen Angebotes lösen.»

Team Member Portrait

Mattea Meyer | Nationalrätin (SP)

«Der Kapitalismus zerstört in vielfacher Hinsicht unsere Lebensgrundlage. Ich unterstütze deshalb Ansätze, welche die Ausbeutung von Menschen und Natur verringern oder gar verhindern.»

Team Member Portrait

Beat Jans | Nationalrat (SP)

«Wenn wir den Anteil des Fleisches in unserer Nahrung senken, leisten wir einen wichtigen Beitrag, um die natürlichen Ressourcen effizienter zu nutzen. Das ist ein Gebot der Stunde.»

Team Member Portrait

Ignazio Cassis | Nationalrat und Fraktionschef (FDP)

«Ökologische Häuser, ökologische Autos und ökologischer Abfall. Was fehlt noch? Das ökologische Menü! Um einen gesunden Planeten und unser Leben zu erhalten.»

Team Member Portrait

Markus Wild | Philosophieprofessor und Mitglied der Eidgenössischen Ethikkommission (EKAH)

«Ein Ethiker verbietet den Menschen nicht, Fleisch zu essen. Ethik funktioniert nicht über Verbote, sondern über Argumente: Ist man ein rationales Wesen, dann auferlegt man sich ein bestimmtes Verhalten selber, weil man die Gründe dafür einsieht. Kein Fleisch zu essen, muss schlicht normaler werden.»

Team Member Portrait

Jaël Malli | Musikerin (Ex-Lunik)

«Ich finde den Ansatz von Sentience super; statt zu predigen zu informieren und vor allem dafür zu sorgen, dass es in der Öffentlichkeit mehr Speisen ohne tierisches Eiweiss gibt. Wenn ich in einer Bäckerei ein veganes Sandwich entdecke, mache ich jedes Mal innerlich einen Luftsprung.»

Team Member Portrait

Andreas Hänni | Eishockey-Profi

«Neue Studien legen nahe, dass pflanzliches Eiweiss für den Menschen wesentlich besser ist als tierliches. Der Mensch braucht zum Leben keineswegs Fleisch.»

Team Member Portrait

Roland Wiederkehr | Politiker und ehem. Leiter WWF

«Die Schweiz importiert jedes Jahr 250 000 Tonnen Soja. 80% davon wird dem Schweizer Vieh verfüttert. Das Soja kommt zum grössten Teil aus Südamerika – in den letzten 10 Jahren hat sich die Anbaufläche dafür verdoppelt: Immer schneller wird dazu der Tropenwald gerodet. Fazit: Wer den Tropenwald wirklich schützen will, muss weniger Fleisch essen.»

Team Member Portrait

Katy Winter | Musikerin und Marketing/PR-Leiterin

«Die emotionsgeladene Diskussion zum Thema: Sind wir Menschen Fleischesser oder nicht? – ist völlig irrelevant. Die Sachlage ist prekär genug, um zu erkennen, dass ein Wandel notwendig ist. Entweder durch Gesetze oder Disziplin und Mitgefühl. Ich wünschte Letzteres wäre realistisch.»

Team Member Portrait

Philip Hochuli | Vegankoch

«Die pflanzliche Küche begeistert mit ihren enormen kulinarischen Qualitäten eine immer grössere und breitere Masse von Menschen. Dass sie dabei Aspekte wie Umweltschutz, gesundheitliche Vorteile und Tierschutz kombiniert, macht sie zu etwas Einzigartigem, das es verdient, auch politisch gefördert zu werden.»

Team Member Portrait

Dr. Anton Rotzetter | Theologe und Autor

«Das Sentience-Positionspapier “Nachhaltige Ernährung” zeigt auf, dass im Tierbereich einige der drängendsten Probleme angegangen werden können und ist schwer widerlegbar.»


NEWSLETTER

Wir halten Sie über unsere Aktivitäten und aktuelle Entwicklungen auf dem Laufenden.

UNTERSTÜTZEN SIE UNS