Ort

Basel

Politische Ebene

Kanton

Benötigte Unterschriften

3000

Zeitraum

18 Monate

Status

Sammlung

Medienberichte

21

Nichtmenschliche Primaten haben wie auch wir Menschen ein fundamentales Interesse an ihrem Leben sowie körperlicher und geistiger Unversehrtheit. Das wird von der Schweizerischen Tierschutzgesetzgebung jedoch kaum berücksichtigt: Wir forschen an Primaten unter teils qualvollsten Bedingungen und negieren selbst ihre grundlegenden Bedürfnisse – oft für Studien mit höchst fraglichem Nutzen. Trotz der Aufsicht durch Ethikkomissionen verkommt die vorgeschriebene Interessensabwägung oft zu einer reinen Formalie. Daher fordern wir Grundrechte auf Leben sowie auf körperliche und geistige Unversehrtheit für nichtmenschliche Primaten in der Kantonsverfassung in Basel-Stadt festzuschreiben.

Initiativtext

Die Verfassung des Kantons Basel-Stadt wird wie folgt geändert:
§ 11 Grundrechtsgarantien
2 Diese Verfassung gewährleistet überdies:
c. (neu) das Recht von nichtmenschlichen Primaten auf Leben und auf körperliche und geistige Unversehrtheit.

Initiativbogen

  • Gleiche Interessen sollten gleichermassen berücksichtigt und geschützt werden, unabhängig von der Artzugehörigkeit eines Individuums.
  • Wir Menschen gehören der Ordnung der Primaten an und sind nahe verwandt mit über dreihundert weiteren Primatenspezies (sog. nichtmenschlichen Primaten). Nichtmenschliche Primaten sind hochintelligent, können mit Menschen in Zeichensprache kommunizieren, sind leidensfähig, empfinden Empathie für andere und können sich sowohl an vergangene Ereignisse erinnern als auch in die Zukunft blicken.
  • Die heutige Tierschutzgesetzgebung und -praxis in der Schweiz tragen den Interessen von (nichtmenschlichen) Primaten, nicht zu leiden und nicht getötet zu werden, kaum Rechnung: Diese fundamentalen Interessen der Primaten sind im Kerngehalt nicht geschützt und müssen häufig selbst unwichtigen menschlichen Interessen weichen.
  • Das Leben und die körperliche und geistige Unversehrtheit von Primaten können nur mittels Grundrechten effizient gesichert werden.
  • Im Kanton Basel-Stadt werden derzeit mehrere hundert Primaten gehalten, die des Schutzes durch Grundrechte bedürfen.
  • Die Grundrechte auf Leben und Unversehrtheit stellen die biomedizinische Forschung als solche keineswegs in Frage, und sofern die geforderten Grundrechte nicht verletzt werden, dürfen Primaten auch weiterhin in der Forschung eingesetzt werden. Auch eine grundrechtskonforme Zoohaltung von Primaten wäre möglich.
  • Die Kantone können zusätzliche Grundrechte schaffen, die weiter gehen als die Grundrechte in der Bundesverfassung. Unsere Initiative ist somit auch bundesrechtskonform. Sie betrifft nicht den Bereich des Tierschutzes im engen Sinn des Bundesrechts, sondern den Bereich der Grundrechte.

Der bisherige § 11 der Verfassung des Kantons Basel-Stadt lautet folgendermassen:

1 Die Grundrechte sind im Rahmen der Bundesverfassung und der für die Schweiz verbindlichen internationalen Abkommen gewährleistet, namentlich:

  1. das Recht auf Leben
  2. das Recht auf körperliche und geistige Unversehrtheit;
  3. das Verbot der Folter und unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung;
  4. das Verbot der Zwangsarbeit und des Menschenhandels;
  5. das Recht auf Freiheit und Sicherheit;
  6. das Recht von Kindern und Jugendlichen auf besonderen Schutz ihrer Unversehrtheit und auf Förderung ihrer Entwicklung;
  7. der Schutzdes Privat- und Familienlebens, der Wohnung und der Kommunikation;
  8. das Recht auf Ehe und Familie;
  9. das Recht auf ehe- und familienähnliche Formen des gemeinschaftlichen Zusammenlebens;
  10. der Schutz personenbezogener Daten sowie des Rechts auf Einsichtnahme und auf Berichtigung falscher Daten;
  11. die Glaubens-, Gewissens- und Religionsfreiheit;
  12. die Informations-, Meinungs- und Medienfreiheit;
  13. die Versammlungs-, Vereinigungs- und Kundgebungsfreiheit;
  14. das Recht auf Bildung;
  15. das Recht, nichtstaatliche Schulen zu errichten, zu führen und zu besuchen;
  16. die Freiheit der Kunst;
  17. die Freiheit der Wissenschaft;
  18. derSchutzdesEigentums;
  19. das Recht auf freie Wahl und Ausübung eines Berufes und auf freie wirtschaftliche Betätigung;
  20. das Recht auf Hilfe in Notlagen;
  21. die Niederlassungsfreiheit;
  22. das Recht auf freie Wahlen und Abstimmungen.

2 Diese Verfassung gewährleistet überdies:

  1. das Recht, dass Eltern innert angemessener Frist zu finanziell tragbaren Bedingungen eine staatliche oder private familienergänzende Tagesbetreuungsmöglichkeit für ihre Kinder angeboten wird, die den Bedürfnissen der Kinder entspricht;
  2. das Petitionsrecht unter Einschluss eines Anspruchs auf Beantwortung innerhalb einer angemessenen Frist.

Unsere Initiative verlangt, dass § 11 bei Absatz 2 mit einem Buchstaben c ergänzt wird, der wie folgt lautet:

c. das Recht von nichtmenschlichen Primaten auf Leben und auf körperliche und geistige Unversehrtheit.

Im Bereich der Grundrechte kommt den Kantonen die Kompetenz zu, in ihren Kantonsverfassungen Grundrechte und weitere verfassungsmässige Rechte zu schützen, die über die in der Bundesverfassung gewährleisteten Grundrechte hinausgehen oder von dieser nicht erfasst werden. Mit anderen Worten haben Kantone die Kompetenz, neue, nicht in der Bundesverfassung vorgesehene Grundrechte zu erlassen sowie den Schutzbereich bestehender Grundrechte zu erweitern. Auch der Kanton BaselStadt kennt in § 11 Abs. 2 seiner Kantonsverfassung besondere kantonale Grundrechte, die über den bestehenden Schutz der Bundesverfassung hinausgehen (§ 11 Abs. 2 Bst. b im Hinblick auf das Petitionsrecht in Art. 33 BV) bzw. von dieser gar nicht erfasst werden (§ 11 Abs. 2 Bst. a im Hinblick auf das Recht auf Ehe und Familie in Art. 14 BV).

Unsere Initiative „Grundrechte auf Leben und Unversehrtheit für alle Primaten“ stützt sich auf diese kantonale Grundrechtskompetenz. Unsere Forderung nach einem Grundrecht auf Leben und einem Grundrecht auf körperliche und geistige Unversehrtheit kann dabei als Vorschlag für ein neues oder weitergehendes kantonales Grundrecht verstanden werden. Die von uns geforderten Grundrechte auf Leben und Unversehrtheit für nichtmenschliche Primaten stellen insofern neue kantonale Grundrechte dar, als dass die Bundesverfassung bislang keine Grundrechte für nichtmenschliche Primaten garantiert. Unsere Initiative kann jedoch auch als Vorschlag für weitergehende kantonale Grundrechte verstanden werden, da die Bundesverfassung bereits jetzt die Grundrechte auf Leben und auf Unversehrtheit garantiert, allerdings nur für menschliche Primaten. Unsere Forderung nach Grundrechten für nichtmenschliche Primaten weitet auf kantonaler Ebene den persönlichen Schutzbereich dieser bestehenden Grundrechte auf nichtmenschliche Primaten aus.

Da der vorliegende Vorschlag die Einführung von Grundrechten für nichtmenschliche Primaten betrifft und keine Änderung des bestehenden Tierschutzrechtes verlangt, steht unser Vorschlag auch nicht im Konflikt mit der in Art. 80 BV geregelten Kompetenz des Bundes im Tierschutzbereich. Wie in diesem Positionspapier dargelegt wird, unterscheiden sich Grundrechte prinzipiell von anderen Tierschutzbestimmungen, weshalb der Kanton Basel-Stadt zum Erlass des von uns vorgeschlagenen § 11 Abs. 2 Bst. c KV Basel-Stadt, der Grundrechte und nicht Tierschutz betrifft, befugt ist.

Positionspapier


Aktuelles

Warum wir Grundrechte für Primaten anstreben

Wir richten mit unseren Aktivitäten und Initiativen darauf aus, möglichst vielen empfindungsfähigen Wesen helfen. Angesichts dieser Zielvorgabe erscheint unsere Arbeit an Grundrechten für Primaten ineffektiv – zumindest auf den ersten Blick. Die Zahl nichtmenschlicher Primaten ist vernachlässigbar gegenüber den Millarden von Tieren, die täglich in Tierfabriken leiden. Warum also haben wir eine Volksinitiative zu Grundrechten […]

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Prof. Dr. Markus Wild: «Machen wir der Tierhölle ein Ende.»

Prof. Dr. Markus Wild (Professur für Theoretische Philosophie, Universität Basel) Statement anlässlich der Pressekonferenz vom 22. Juni 2016 zur Volksinitiative Kanton Basel-Stadt Grundrechte für Primaten Meine Damen und Herren Ich freue mich sehr mit Meret Schneider, Adriano Mannino, Tobias Sennhauser und Raphael Neuenburger auf diesem Podium sitzen zu dürfen. Das sind vier Menschen, deren Engagement […]

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Medien

Medienmitteilung Pressekonferenz Medienkontakt

FAQ

Es gibt keine belastbare Rechtfertigung, menschliche Primaten anders als nichtmenschliche Primaten zu betrachten und zu behandeln: Der Mensch – Homo sapiens – stellt lediglich eine von über 300 Primatenspezies dar. Alle Primaten zeichnen sich im Vergleich zu vielen anderen Tieren durch ihr grosses Gehirn, ihre komplexe Sozialstruktur und ihre hohe physische und psychische Leidensfähigkeit aus. Nichtmenschliche Primaten haben ebenso wie menschliche Primaten ein Interesse, nicht zu leiden und nicht getötet zu werden. Einem Individuum ausschliesslich aufgrund seiner Artzugehörigkeit Rechte vorzuenthalten, wäre eine willkürliche und ungerechtfertigte Form von Diskriminierung. Deshalb steht nichtmenschlichen Primaten – wie den Menschen – ein Grundrecht auf Leben und ein Grundrecht auf körperliche und geistige Unversehrtheit zu.

Bestehende tierschutzrechtliche Bestimmungen reichen nicht aus, da sie den Kern der Interessen nichtmenschlicher Primaten auf Leben und Unversehrtheit nicht schützen. Dieser ungenügende Rechtsschutz macht sich auch in der Praxis bemerkbar: Die im Tierschutzgesetz vorgesehenen Interessenabwägungen fallen in aller Regel zuungunsten der Tiere aus. Eine ernsthafte Verbesserung des Schutzes der Interessen nichtmenschlicher Primaten ist deshalb nur durch die Einführung von Grundrechten zu erreichen, die den Kerngehalt der Interessen auf Leben und Unversehrtheit garantieren.

Grundrechte auf der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Spezies aufzubauen verletzt das moralische Prinzip der Speziesneutralität, wonach gleichrangige Interessen unabhängig von der Spezieszugehörigkeit gleich berücksichtigt werden müssen. Rechte sollten grundsätzlich ebenso wenig von der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Spezies abhängig gemacht werden wie von der Zugehörigkeit zu einem bestimmten Geschlecht, einer bestimmten Ethnie oder Altersgruppe.

Ein Abstützen auf die Spezieszugehörigkeit zur Verleihung von Grundrechten stellt daher einen willkürlichen und diskriminierenden Ansatz dar, der kein sicheres rechtliches Fundament bietet. Eine bessere Basis für Grundrechte ist der Schutz der Interessen eines Individuums. Grundrechte weisen dazu neben einem einschränkbaren Schutzbereich einen Kerngehalt auf, der unter keinen Umständen eingeschränkt werden darf. Während also der normale Schutzbereich bei Konflikten mit anderen Interessen einer Abwägung zugänglich ist, dürfen die sich im Kerngehalt befindlichen Interessen nie abgewogen werden. Dieser Kerngehalt von Grundrechten garantiert, dass die zentralsten Aspekte eines durch ein Grundrecht geschützten Interesses nicht entgegenstehenden Interessen – und seien diese noch so gross – geopfert werden darf. Im Vergleich zu blossen Verboten, wie etwa dem Verbot tierquälerischer Handlungen, haben Grundrechte ausserdem den Vorteil, dass sie genereller gefasst sind und somit Raum für eine dynamische Weiterentwicklung bieten, die wiederum einen verbesserten Schutz ermöglicht. Darüber hinaus besitzen Grundrechte eine sozialgestaltende Funktion, die durch Verbote nicht erreicht wird. Auch Sachen werden durch Verbote „geschützt“, aber über Grundrechte verfügen nur Individuen, die besonders schützenswerte Eigenschaften und Interessen haben. Grundrechtsträger geniessen entsprechend einen höheren Status als Sachen oder Wesen, die nicht über diesen Status verfügen. Dem Konzept des Grundrechtsträgers kommt somit eine gesellschaftliche Signalwirkung zu: Die Anerkennung nichtmenschlicher Primaten als Grundrechtsträger bringt gegenüber anderen Gesellschaftsmitgliedern zum Ausdruck, dass die grundrechtlich geschützten Interessen nichtmenschlicher Primaten gleichwertig mit vergleichbaren Interessen anderer Grundrechtsträger sind. Das heisst, dass die Interessen aller Individuen, die Grundrechte auf Leben oder auf Unversehrtheit besitzen, in Bezug auf diese Interessen gleichwertig zu schützen sind. Dadurch wird garantiert, dass fundamentale Interessen nichtmenschlicher Primaten ernstgenommen und nicht trivialen menschlichen Interessen untergeordnet werden. Diese Funktion von Grundrechten erklärt auch, weshalb das Erlangen von Grundrechten historisch gesehen von zentraler Bedeutung war für Gruppen, die vorher rechtlich nicht ernstgenommen wurden. Der Kampf um Grundrechte war für Sklaven, Schwarze, Frauen, Behinderte und andere Gruppen nicht nur deshalb wichtig, weil dies mehr Verbote für andere mit sich brachte, sondern weil sie damit in den Kreis der Grundrechtsträger aufgenommen wurden. Auch nichtmenschliche Primaten gehören in diesen Kreis von Grundrechtsträgern, damit ihr Interesse zu leben und ihr Interesse an körperlicher und geistiger Unversehrtheit effizient geschützt werden.

Argumente, die regelmässig zur Begründung eines solchen Unterschieds zwischen menschlichen und nichtmenschlichen Primaten („anthropologische Differenz“) angeführt werden, sind Rationalität, Konzeptdenken und Abstraktionsfähigkeit, Sprache, Bewusstsein und Empfindungsfähigkeit, Selbstbewusstsein, das Besitzen der Fähigkeit, sich in die Bewusstseinszustände anderer hineinzuversetzen, das Besitzen einer Seele, Humorfähigkeit, Antizipieren von zukünftigen Ereignissen oder Zuständen, Sinn für Ästhetik, Werkzeugherstellung und -gebrauch, Technologie, freier Wille, die Fähigkeit, Regeln zu befolgen, Personsein oder Kultur. Keine dieser Eigenschaften und Fähigkeiten stellt jedoch ein Unterscheidungsmerkmal dar, das allen und ausschliesslich Menschen zukommt und allen nichtmenschlichen Primaten fehlt. Anspruchsvollere Eigenschaften und Fähigkeiten, wie Sinn für Ästhetik oder eine komplexe Sprache, mögen zwar – eng gefasst – nur Menschen besitzen. Jedoch handelt es sich dabei nicht um Eigenschaften und Fähigkeiten, die alle Menschen gleichsam besitzen. Kleinkindern, Menschen mit schwerer geistiger Behinderung oder fortgeschrittener Demenz mangelt es an diesen Eigenschaften und Fähigkeiten. Weniger anspruchsvolle Merkmale, wie Werkzeuggebrauch oder Bewusstsein, über die wohl alle Menschen verfügen, liegen hingegen auch bei nichtmenschlichen Primaten und anderen Tieren vor.

Abgesehen von der Zugehörigkeit zur Spezies Homo sapiens, die allen Menschen gemein ist, lässt sich deshalb keine Eigenschaft oder Fähigkeit finden, die eine anthropologische Differenz zwischen menschlichen und nichtmenschlichen Primaten begründen könnte. Grundrechte auf der Basis der Spezieszugehörigkeit zu verleihen verletzt jedoch das moralische Prinzip der Speziesneutralität, das verlangt, gleichrangige Interessen unabhängig von der Spezieszugehörigkeit gleich zu berücksichtigen.

Es gibt somit keinen moralisch relevanten Unterschied zwischen allen menschlichen und allen nichtmenschlichen Primaten. Und selbst wenn es so eine Differenz gäbe, griffe die Diskussion ins Leere: Eine Eigenschaft, die nur und alle Menschen besitzen, würde höchstens ein Grundrecht begründen, welches die betreffende Eigenschaft schützt. Fundamentale Eigenschaften und Interessen, wie jene nach Leben und Unversehrtheit, besitzen jedoch auch nichtmenschliche Primaten.

Das ist ein häufig vorkommendes Missverständnis. Tatsächlich sind bereits in der geltenden Rechtslage Rechte nicht an Pflichten gebunden. So sind z.B. Kleinkinder und Menschen mit schwerer geistiger Behinderung oder fortgeschrittener Demenz auch nicht in der Lage, Pflichten wahrzunehmen, und werden trotzdem durch Grundrechte geschützt. Bei Primaten wäre dies nicht anders.
Dass nichtmenschliche Primaten ihre Grundrechte nicht selber ausüben können, bedeutet nicht, dass sie keine Grundrechte besitzen können. Viele andere menschliche Primaten sind entweder vorübergehend (z.B. Kleinkinder, Komapatienten) oder dauerhaft (z.B. Menschen mit schwerer geistiger Behinderung) nicht in der Lage, ihre Grundrechte selber wahrzunehmen. Zur Sicherstellung der Grundrechte dieser Personen kennt der Staat verschiedene Stellen, wie etwa die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB). Die Gewährleistung der Grundrechte von nichtmenschlichen Primaten könnte auf ähnliche Weise erfolgen, z.B. durch die Einsetzung eines speziellen Beauftragten bei der KESB, die Einsetzung einer Ombudsfrau oder eines eigenständigen Primatenbeistandes.
Nein, Menschenrechte umfassen mehr als nur die zwei von uns geforderten Grundrechte auf Leben sowie körperliche und geistige Unversehrtheit für Primaten. Weitere Menschenrechte wie die Meinungs- oder die Religionsfreiheit machen für nichtmenschliche Tiere keinen Sinn. Wir fordern lediglich jene Grundrechte, die auch sinnvollerweise die Interessen von Primaten schützen.
Im Gegenteil: Unsere Forderung nach Grundrechten für Primaten stärkt die Menschenrechte. Bestehende Auffassungen von Menschenrechten sind kaum in der Lage, gerade die Grundrechte derjenigen Menschen zu begründen, die diese Rechte am allernötigsten haben: Kleinkinder, Menschen mit schwerer geistiger Behinderung oder fortgeschrittener Demenz. Ebenso wie Primaten sind Kleinkinder, schwerstbehinderte und demente Personen leidensfähig und haben ein Interesse daran, weiterzuleben. Im Gegensatz zu herkömmlichen Menschenrechtsansätzen schafft unser Vorschlag ein sicheres Fundament, um die Grundrechte auf Leben und Unversehrtheit (sowie alle weiteren auf Menschen anwendbaren Rechte) zu schützen.
Die Haltung von Primaten in Zoos und Versuche an Primaten zur biomedizinischen Forschung sind nicht grundsätzlich unmöglich, sofern die Grundrechte von Primaten auf Leben sowie auf körperliche und geistige Unversehrtheit gewahrt bleiben. Zoos und Forschende müssen sicherstellen, dass die Grundrechte von Primaten nicht verletzt werden. In Bezug auf das Grundrecht auf Leben bedeutet dies z.B., dass Primaten nicht aus willkürlichen Gründen getötet werden dürfen. Auch biomedizinische Forschung mit Primaten wäre weiterhin denkbar, wenn es sich um Versuche handelt, die für die Tiere keine Belastung darstellen und bei denen ihr Allgemeinbefinden nicht erheblich beeinträchtigt wird. So gibt es auch Forschung an Menschen, die ethisch völlig unproblematisch ist, weil dabei niemand zu Schaden kommt. Wir lehnen daher biomedizinische Forschung nicht dogmatisch ab; die Voraussetzung ist, dass Grundrechte gewahrt bleiben.

In einer oberflächlichen Betrachtung geht es bei der Kampagne um wenige Individuen, da nur ca. 300 nichtmenschliche Primaten im Kanton Basel-Stadt leben. Demgegenüber ist etwa in der Massentierhaltung eine weit höhere Anzahl an Individuen betroffen – schätzungsweise werden 60 Milliarden Landtiere pro Jahr für den menschlichen Fleischkonsum getötet. Man könnte daher einwenden, dass Grundrechte für Primaten vergleichsweise unwichtig sind. Dieser Einwand greift allerdings zu kurz, da Zoos und Tierversuche bei der Initiative nicht im Vordergrund stehen. Es geht vielmehr um einen Meinungswandel in der Gesellschaft, der zum Ziel hat, dass die Interessen aller empfindungsfähigen Wesen ethisch berücksichtigt werden – unabhängig von der Artzugehörigkeit. Um diesen Wandel in den gesellschaftlichen Einstellungen zu unterstützen, ist eine Veränderung der Rechtsnormen wichtig. Eine solche Veränderung hat das Potential, alle zukünftigen Generationen zu beeinflussen. So kann die Wahrscheinlichkeit erhöht werden, mögliches Tierleid in der Zukunft zu reduzieren – und hier ist die Zahl der betroffenen Individuen potentiell sehr gross, vermutlich noch grösser als die Zahl der heute betroffenen Individuen.

Aus diesem Grund ist eine langfristige Veränderung gesellschaftlicher Einstellungen und Normen möglicherweise wichtiger als kurzfristige Erfolge. Grundrechte für Primaten sind ein effektiver Ansatzpunkt, um solche Veränderungen zu erreichen.

Für diesen Gedanken sind wir grundsätzlich offen; derzeit beschränkt sich unsere Forderung jedoch auf die Grundrechte auf Leben sowie körperliche und geistige Unversehrtheit für Primaten. Dieser erste Schritt schliesst nicht aus, dass auch andere Tiere Eigenschaften und Interessen besitzen, die es rechtfertigen, dass wir ihnen diese zwei Grundrechte zugestehen. Bei Primaten ist unsere Forderung aufgrund der bisherigen überwältigenden Erkenntnisse schlicht besonders dringlich.
Die derzeitige Beschränkung unserer Grundrechtsforderungen auf Primaten geschieht nicht aus moralischen, sondern aus reinen Praktikabilitätsgründen. Auch andere Tiere sollten Grundrechte erhalten, wenn sie die entsprechenden Eigenschaften und Interessen haben, die für diese Grundrechte notwendig sind. Historisch gesehen ist diese Vorgehensweise durchaus üblich: In der Geschichte der Grundrechte wurde der Kreis der Rechtsträger stets schrittweise vergrössert.

Prominente Unterstützerinnen und Unterstützer

Diese Persönlichkeiten unterstützen unser Positionspapier „Grundrechte für Primaten“, das die Grundlage für diese Initiative bildet.

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Prof. Dr. Markus Wild | Philosophieprofessor und Mitglied der Eidgenössischen Ethikkommission (EKAH)

«Immer mehr Leute in der Schweiz lehnen die Nutzung von Affen ab. Sentience Politics unternimmt einen mutigen Vorstoss und legt ein klares Positionspapier vor. Die Argumente müssen gehört statt ignoriert werden, die Debatte muss geführt statt vermieden werden und unsere Beziehungen zu Tieren sollen verrechtlicht statt verniedlicht oder verharmlost werden.»

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Prof. Dr. Volker Sommer | Lehrstuhl für Evolutionäre Anthropologie, University College London

«Diskriminierung hatte und hat viele Facetten; am vertrautesten sind uns Ausgrenzungen durch Religionismus, Rassismus, Sexismus und Heterosexismus. Der historische Zeitpunkt ist gekommen, die nächste Barriere abzubauen: den Speziesismus. Denn nur, weil sie nicht zur Spezies Mensch gehören, dürfen unsere nächsten Verwandten unter den Tieren weiterhin wie Eigentum behandelt und ausgebeutet werden. Dabei ähneln uns andere Primaten nicht nur im Körperbau, sondern auch hinsichtlich ihrer mentalen Landschaft, deren reiches Gefühlsleben Schmerz und Leid ebenso kennt wie Glück und Wohlbefinden. Nicht-menschliche Primaten sind deshalb nicht nur zu “schützen”, sondern es sollten ihnen jene unveräußerlichen Grundrechte zugestanden werden – jene auf Leben und Unversehrtheit –, auf die auch Menschen Anspruch haben.»

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Prof. Dr. Oliver Bendel | Maschinenethiker

«Ich bin für Menschenrechte für Menschen und für Tierrechte für Tiere. Grundrechte wie das Recht auf Leben und das Recht auf körperliche Unversehrtheit sollten allen Primaten, aber auch anderen Säugetieren sowie Reptilien und Amphibien zukommen.»

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Prof. Dr. Grischa Merkel | Professorin für Ethik und Recht

«Dass wir Verletzungen an leidensfähigen Wesen heute generell rechtfertigen müssen, ist ein zivilisatorischer Fortschritt unserer Gesellschaft. Leider ist der rechtlich vorgesehene Tierschutz in der Praxis aber ein stumpfes Schwert. Körper- und Lebensschutz unserer engsten Verwandten müssen offenbar prinzipiell garantiert werden, wie es diese Initiative anstrebt, damit andere Primaten überhaupt angemessen geschützt werden. – Verletzt wird dadurch übrigens niemand.»

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Dr. Colin Goldner | Klinischer Psychologe und Leiter des Great Ape Project Deutschland

«Es gibt keinen vernünftigen Grund, den nicht-menschlichen Primaten Grundrechte vorzuenthalten, die den menschlichen Primaten ganz selbstverständlich zukommen.»

Team Member Portrait

Jaël Malli | Musikerin

«Gesetze werden geschrieben, um die Schwächsten unserer Gesellschaft zu schützen. Wer könnte schwächer sein als Wesen, die ihr Leben hinter Gittern verbringen und für Experimente genutzt werden? Primaten empfinden Schmerz, trauern um verstorbene Verwandte und planen für die eigene Zukunft. Weil sie nicht für sich sprechen und ihre Grundrechte nicht selbst einfordern können, müssen wir dies für sie tun.»

Team Member Portrait

Katy Winter | Musikerin und Marketing/PR-Leiterin

«Warum sollte der Mensch wertvoller sein, als alle anderen Spezies? Ich finde keine überzeugende Antwort. Im Gegenteil, ist man in der Lage sein eigenes Ego zu zähmen, fühlt man, dass wir im Grunde alle eins sind. Ein winziger Teil von etwas Grösserem.»

Team Member Portrait

Renée Winkler & Fatih Aksu | Veganladen Gingi

«Menschenaffen sind wie wir: Sie lachen und trauern, sie lügen und morden, sie kämpfen und lieben. Doch wir sperren sie ein.»


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