Die Politik – ein effektiver Aktionsbereich für Tierrechtler

Sentience-Politics-Pressekonferenz vom April 2014 im Pressezentrum des Bundesparlaments

 

Eine Reihe von Überlegungen sprechen dafür, dass im politischen Bereich Potenzial für hochwirksamen Aktivismus liegt.

Während viele Argumente für den Veganismus – wenn man sie nutzt, um private Konsumentscheidungen wie das Fleischessen zu kritisieren – entweder auf taube Ohren stossen oder ihnen mit Feindseligkeit und empathischer Ablehnung begegnet wird, werden die gleichen Argumente oft offen aufgenommen, nüchtern bewertet und dann schnell akzeptiert, wenn sie genutzt werden, um öffentliche Entscheidungen wie die staatliche Subventionierung der Nutztierhaltung zu kritisieren.

Was für Kritik zutrifft, gilt auch für Vorschläge und Initiativen. Es ist einfacher, BürgerInnen rational davon zu überzeugen, staatliche Subventionen für vegane Produkte zu unterstützen, als KonsumentInnen rational davon zu überzeugen, vegan zu werden, obwohl es sich bei den BürgerInnen und den KonsumentenInnen um dieselben Leute handelt.

Natürlich haben es rationale Argumente für den Veganismus auch im politischen Bereich schwer. Der Punkt ist aber, dass sie es signifikant weniger schwer haben als im privaten Bereich. Zumindest wird dies durch unsere Erfahrungen nahegelegt und durch Untersuchungen über die Diskrepanz zwischen ethischer Haltung und tatsächlichem Konsumverhalten bestätigt. Viele Menschen sind sozusagen “moralisch, aber nicht praktisch dagegen”, Tieren Leid zuzufügen. Obwohl ihr Konsumverhalten ihre (vielleicht schwache) moralische Haltung im Marktbereich nicht widerspiegelt, werden sie im politischen Bereich z.B. die Einführung veganer Optionen in öffentlichen Institutionen wahrscheinlich unterstützen. Unsere moralische Haltung durch eine Abstimmung auszudrücken, ist weniger aufwändig und ermöglicht es uns, uns einen Anstoss in die Richtung unserer individuellen Wahl zu geben, die wir gerne treffen würden, und zwar dadurch, dass wir die institutionellen Bedingungen ändern, unter denen diese Wahl getroffen wird.

Aber selbst wenn der Widerstand gegen die Argumente für den Veganismus im politischen Bereich grösser wäre als im privaten Bereich, würde es sich dennoch lohnen, einen geringfügigen Aufwand dafür zu betreiben, diese Argumente im politischen Bereich zu verbreiten. Das liegt am Potenzial des Hebeleffekts in der (demokratischen) Politik. Wenn 51% der BürgerInnen (oder 51% der institutionellen EntscheidungsträgerInnen) sich für einen Weg entscheiden, wird ihre Entscheidung für sie, aber auch für die anderen 49% zum Gesetz, während die Entscheidungen von 51% der KonsumentInnen oder Privatpersonen in keiner Weise die anderen 49% bindet, und sogar die 51% sind frei, ihre Meinung jederzeit zu ändern und eine andere Wahl zu treffen.

Ausserdem (und das ist vielleicht am wichtigsten) ist die politische Arena eine riesige Plattform, um Ideen zu verbreiten und sie in die gesellschaftliche Diskussion einzubringen.

Direkte Demokratien wie die Schweiz bieten die Möglichkeit zu Volksinitiativen: Sammle 100’000 Unterschriften auf Bundesebene oder einfach nur ein paar hundert oder tausend auf städtischer oder kantonaler Ebene – und du erhältst eine verbindliche Volksabstimmung über das Gesetz, das du vorschlägst, verbunden mit Pro-/Kontra-Statements aller relevanter politischer Gremien und Organisationen sowie mit einer wochenlangen öffentlichen Debatte.

Parlamentarisches Lobbying dürfte auch ein sehr kosteneffizienter Aktivismus sein. Wenn nur ein Parlamentsmitglied unsere Sache unterstützt, öffnen sich viele Wege, um die Gesellschaft dazu zu bringen, wichtige Ideen zu diskutieren. Parlamentsmitglieder haben oft sehr direkte und zuverlässige Möglichkeiten, erhebliche mediale Aufmerksamkeit zu erzeugen: Individuelle Pressemitteilungen, Pressekonferenzen und Interviews, Pressemitteilungen von Organisationen, in denen sie Mitglied sind oder von angesehenen Gremien, die sie zusammenstellen, Parlamentsanträge, Reden etc.


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