Leidfähigkeit und Empathie bei Tieren – Das zeigen wissenschaftliche Untersuchungen

Leiden Tiere? Wie würden wir das Leiden eines Tieres überhaupt definieren? Ich gebe hier meine eigene, simple Definition des Leidens: Im Gegensatz zu einem reinen Schmerzempfinden führt Leiden auf Dauer zu wissenschaftlich verifizierbaren Verhaltensänderungen. Oftmals wird von vielen Seiten kritisiert, dass es nicht möglich wäre, aufzuzeigen, ob Tiere leiden können. Zudem läge die Beweislast auf unserer Seite [1]. Ich möchte zeigen, dass es sehr wohl eine Sammlung akademischer Publikationen gibt, die Leiden in Tieren beobachten und analysieren.

Es ist teilweise möglich, Symptome des Leidens mithilfe molekularbiologischer Methoden sichtbar zu machen. Oftmals überschneiden sich diese Erkenntnisse mit bekannten psychologischen Erkrankungen im Menschen. Das ist kaum erstaunlich, denn wir teilen molekulare Signalwege und Hirnstrukturen mit den Tieren. Neueste Erkenntnisse lassen die Diskussion der ethischen Relevanz aber stärker denn je aufflammen.

Ich werde dem Schmerzempfinden in diesem Artikel nur wenig Aufmerksamkeit schenken. Dass Tiere die gleichen Schmerzrezeptoren wie wir besitzen, ist bestens belegt worden [2]. Interessanter und ethisch relevanter ist die Frage, ob Tiere mehr als nur blossen Schmerz empfinden. Ich werde in diesem Artikel verschiedene Forschungsgebiete auflisten und diskutieren. Diese dokumentieren, dass auch Tiere sensibel, empathisch und anfällig für Stress und psychologische Erkrankungen sind. Ich werde mich auf Wirbeltiere (und vor allem Säugetiere beschränken), weil es dort die meisten Daten gibt.

Primär soll dieser Artikel Evidenz liefern, dass wir die Haltung der meisten (oder sogar aller) Nutztiere dringend überdenken müssen. Die Ausbeutung der Nutztiere widerspricht in Anbetracht der nachfolgenden Abschnitte zwingend den ethischen Ansichten der meisten Menschen. Zwar gibt es nur wenige Studien, die unsere wichtigsten Nutztiere miteinbeziehen, doch was für Mäuse und Ratten beobachtet wird, trifft mindestens im gleichen Masse auch für Nutztiere wie Schweine oder Rinder zu. Die Taktik, Nutztieren systematisch negative und abwertende Eigenschaften anzuhaften, um sie uns wortwörtlich schmackhaft zu machen, wurde von Melanie Joy in ihrem Buch “Why We Love Dogs, Eat Pigs, and Wear Cows: An Introduction to Carnism” beschrieben. Ich setze voraus, dass sich die Leser dieser Verzerrung bewusst sind und nicht in das Schema fallen, die Übertragbarkeit auf scheinbar ‘dumme’ Arten anzuzweifeln.

Schmerzempfinden

Experimente an Fischen haben gezeigt, dass die Injektion einer reizenden Chemikalie zu einem abnormalen Verhalten führt: Sie bewegen ihre Flossen anders, reiben ihre Lippen gegen Objekte im Aquarium und atmen schneller. Die Verabreichung von Morphium schwächte dieses Verhalten signifikant ab [3], [4]. Hühner mit deformierten Beinen – eine typische Folge der Massentierhaltung und zu schnellem Wachstum – zeigen eine Präferenz für Futter, das mit einem Schmerzmittel angereichert ist. Ein eindeutiges Anzeichen dafür, dass diese Hühner unter chronischen Schmerzen leiden [5]. In Mäusen und Ratten werden oftmals die reflexartige Bewegung des Schwanzes und die Reaktion auf einer sich wärmenden Platte gemessen (ein riesiges Review zu diesen Themen findet sich hier [6]). Neuerdings existiert auch ein Protokoll, das die Mimik von Mäusen und Ratten auswertet [7]. Schmerzevaluation in Mäusen gehört zu den Standardprotokollen in vielen Labors [8]. Pro Jahr erscheinen mehrere hundert wissenschaftliche Arbeiten, die mindestens ein Experiment enthalten, welches die Schmerzbelastung der Versuchstiere evaluiert [6]. Es wäre also unwissenschaftlich, Schmerzempfinden in Wirbeltieren zu leugnen.

Angstkonditionierung [9]

Steckt mehr hinter dem Empfinden von Schmerzen? Manch einer könnte den Einwand bringen, dass blosser Schmerz keine ethische Relevanz besitzt. Haben Lebewesen keine Möglichkeit zur Antizipation, ist der Schmerz ausschliesslich die Aktivität einiger Neuronen, die Ströme ins Hirn leiten. Die Tiere wären eher mit einer Maschine – die vorprogrammiert auf ein Signal reagiert – als mit einem Menschen gleichzusetzen. Was uns scheinbar unterscheidet, ist unsere Fähigkeit, Schmerzen zu erahnen, (un)angenehme Situationen zu antizipieren und uns in andere hineinversetzen zu können.

Ich möchte nachfolgend zeigen, dass Tiere lernen können, sich zu fürchten. Dies unterscheidet sich substantiell von einer reinen Abfolge von Tätigkeiten (z.B. Stöckchen nachrennen und es wieder zurückbringen). Angst ist eine Emotion, die das Vorhandensein spezifischer Hirnregionen benötigt.

Angstkonditionierung ist ein sehr gut verstandenes neurobiologisches Phänomen. Unzählige prämierte Arbeiten wurden darüber veröffentlicht. Im Kern dieser Arbeiten geht es darum, den Versuchstieren (oftmals Mäuse) Furcht vor einer bestimmten Situation “beizubringen”. Dabei hören die Versuchstiere zum Beispiel einen lauten Ton, dem ein schmerzvoller elektrischer Schock folgt. Als Folge einer Konditionierung zucken die Versuchstiere nach einer Weile bereits durch das akustische Signal zusammen. Sie erwarten den Stromschlag. Dieses kontext-basierte Angstlernen ist analog bei Menschen. Interessanterweise spielen die gleichen Hirnareale im Menschen wie auch in Mäusen eine wichtige Rolle bei der kontext-basierten Angstkonditionierung. Sehr stark vereinfacht gesagt, ist eine Struktur namens Hippocampus für das Erlernen des Kontexts von Bedeutung. In einem weiteren Hirnabschnitt, der Amygdala genannt wird, werden diese negativen Erinnerungen abgerufen und führen zur Stressreaktion. Der Effekt der Angstkonditionierung zeichnet sich vor allem durch seine Robustheit aus.

Ist es unethisch, jemanden absichtlich in eine Stresssituation zu versetzen? Die Versuchstiere werden während der Konditionierung einer Situation ausgesetzt, aus der sie nicht entkommen können. Wir erkennen an der physischen Reaktion, dass die Tiere beim Erklingen des Tones Interesse daran haben, dem nachfolgenden schmerzvollen Reiz auszuweichen. Daraus folgt, dass die Versuchstiere die Möglichkeit zur Antizipation haben. Die Versuchstiere zeigen also eine Reaktion, die sich kaum von unserer Reaktion unterscheidet. Welche ethischen Implikationen können wir daraus ableiten?

Erlernte Hilflosigkeit (Learned Helplessness)

Wir verstehen Depressionen als eine hoch komplexe psychologische Erkrankung, die ein hohes Mass an Empfindungsfähigkeit und eine ausgeprägte subjektive Gefühlswelt benötigt. Erstaunlicherweise sind Mäuse ein Modellorganismus für depressive Erkrankungen. Molekulare und anatomische Bestandteile sind konserviert, das heisst wir verfügen teilweise über dieselben Strukturen [10], [11]. Das legt den Schluss nahe, dass komplexe psychologische Erkrankungen ihren erdgeschichtlichen Ursprung lange vor der Evolution des Menschen haben. Einigen fällt diese Betrachtungsweise schwer, können wir uns doch nur mit Mühe eine depressive Maus vorstellen. Die Forschung zeigt aber, dass dies in der Tat der Fall ist. Tiere verfügen über ein weitaus komplexeres Verhalten, das sich nicht nur auf die Futtersuche, das Paarungsverhalten oder den Nestbau beschränkt.

Die erlernte Hilflosigkeit wird von vielen Forschern aus dem Bereich der Neurobiologie mit der Depression verglichen. Bei der erlernten Hilflosigkeit wird ein Versuchstier (Ratte oder Maus) täglich für eine Stunde über einen Zeitraum von rund einer Woche mit leichten Elektroschocks taktiert. Das Versuchstier hat keine Möglichkeit, den Stromschlägen zu entrinnen. Mit der Zeit resigniert die Ratte oder Maus und nimmt diese auswegslose Situation hin. Das Versuchstier wird lethargisch und zeigt depressive Züge. Gemessen wird dies beispielsweise in nachfolgendem Experiment: Das Versuchstier wird einmal mehr in den Käfig mit der Platte gesetzt, nur hat es dieses Mal die Möglichkeit, in einen anliegenden Käfig zu klettern. Die konditionierten Mäuse oder Ratten nehmen diese Fluchtmöglichkeit aber nur zögerlich oder überhaupt nicht wahr. Native (unbehandelte) Versuchstiere retten sich signifikant öfter und schneller. Interessanterweise steigern Antidepressiva oder sportliche Aktivität, welcher ebenfalls eine antidepressive Wirkung zugeschrieben wird [12], die Fluchtrate in konditionierten Tieren [13], [14]. Ein Beleg dafür, dass es sich in den Grundzügen tatsächlich um eine psychologische Erkrankung handelt.

Auch hier stellt sich die Frage nach der ethischen Relevanz. Ein Lebewesen so zu quälen, dass es lethargische Züge zeigt und Schmerzen einfach hinnimmt, deutet auf mehr als einen simplen biologischen Organismus hin, der nur danach strebt, seine primitiven Bedürfnisse zu befriedigen.

Empathie

Empathie bedeutet Einfühlungsvermögen. Zweifellos ist der Mensch das einfühlsamste Lebewesen. Doch möglicherweise behaupten wir zu Unrecht, dass wir die einzigen Organismen sind, die der Empathie fähig sind. Die Wissenschaft ist darüber gespalten. Ich komme nicht um den Gedanken herum, dass es sich um einen typischen kognitiven Bias handelt. Schliesslich steht einiges auf dem Spiel. Bewerten Wissenschaftler die bisherigen Forschungsergebnisse zur Empathie in Tieren zu hoch, würden sie womöglich ihre eigene Forschung als unethisch verdammen. Stattdessen predigt man, dass (bisher noch) zu grosse Lücken existieren, um von einer frappanten Ähnlichkeit sprechen zu können.

Die Wurzeln der Empathie liegen möglicherweise viel tiefer. Es wäre ohnehin eine evolutionäre Kuriosität, wenn sich etwas so komplexes wie Empathie innert weniger Jahrmillionen völlig aus dem Nichts entwickelt hätte. Stattdessen lassen sich die frühesten Formen der Empathie auf die Aufzucht des Nachwuchses zurückführen. Muttertiere (und seltener die Väter) müssen die Bedürfnisse ihrer Nachkommen richtig interpretieren. Empathie ist auch wichtig, um aufgebrachte Verlierer nach einem Streit zu beruhigen und zu trösten. Diese Aufgabe wird meist von unbeteiligten Zuschauern übernommen und hat zur Folge, dass sich die zerstrittenen Parteien nicht ein weiteres Mal angreifen. Dieses Verhalten ist gut beschrieben in Menschenaffen [15]. Möglicherweise existiert dieses Verhalten auch in Raben [16].

Eine Folge des Einfühlungsvermögen ist der Altruismus. Es ist möglicherweise nicht falsch, von einer Zweckentfremdung der Empathie zu sprechen. Das neurochemische Fundament der Empathie lässt sich nicht nur auf die Nachkommen, sondern auch auf (befreundete) Artgenossen anwenden. Mäuse fühlen mit, wenn Mäuse aus dem gleichen Käfig Schmerzen empfinden [17]. Manch einer könnte den Einwand erheben, dass dies kompletter Eigennutz sei: Die beobachtende Maus bereite sich lediglich selbst auf einen möglichen Schmerzreiz vor. Wäre diese Behauptung richtig, dann wäre es der beobachtenden Maus gleichgültig, ob es sich bei der leidenden Maus um eine fremde oder bekannte handelt. Aber dieses Auslesen des emotionalen Zustandes ist nur bei sich bekannten Mäusen observierbar (auch wir Menschen empfinden weniger Mitleid für Fremde). Eigennutz kann also nicht die Erklärung sein.

Auch Ratten zeigen altruistisches Verhalten. Sie befreien Artgenossen, die in einer Röhre eingeschlossen sind, indem sie einen Hebel umlegen [18]. Sie legen den Hebel nur um, wenn eine Ratte eingeschlossen ist.

Frans De Waal listet in seinem Buch “The Age of Empathy” zahlreiche Publikationen und anekdotische Beobachtungen auf, die empathisches Verhalten in Primaten zeigen. Für die meisten von uns dürfte dies kaum erstaunlich sein. Dies widerspiegelt sich auch in der angehenden weltweiten Debatte, ob Menschenaffen grundlegende Rechte bedürfen.

Was können wir aus den Experimenten schlussfolgern? Erstens gibt es viel zu wenige Experimente, die empathisches Verhalten in Wirbeltieren zeigen. Auf der anderen Seite gibt es auch keine Experimente, die das Gegenteil beweisen. Die Brutalität der Natur ist kein Gegenbeweis für mögliche Empathie. Wenn es das wäre, müsste man als neutraler Beobachter den Menschen ebenfalls jegliches Mitgefühl absprechen.

Stattdessen lässt sich Empathie nach Frans De Waal als eine Art Zwiebel- oder Matroshka-Modell beschreiben [19]. Primitive Formen der Empathie sind wahrscheinlich – solange die oben beschriebenen Beobachtungen nicht widerlegt werden – bei allen Säugetieren zu finden. Es ist bisher unklar, wie sehr Empathie bei unseren Nutztieren ausgeprägt ist. Betrachten wir die Intelligenz, schneiden Schweine sehr gut ab [20]. Zudem reagieren sie extrem sensibel auf Isolation [21]. Es existieren zudem zahlreiche Anekdoten über empathisches Verhalten in grösseren Säugetieren. Eine Aufzählung dieser Anekdoten würde diesen Rahmen sprengen. Sie lassen sich aber zahlreich im Internet finden – zum Beispiel Freundschaften zwischen Tierarten. Ich bezweifle, dass wir hier anthropomorphisieren. Stattdessen ist es genau das, wonach es aussieht: Tiere befriedigen ihre grundlegendsten Bedürfnisse – und dazu gehören auch soziale Interaktionen. Auch wir Menschen unterhalten enge Beziehungen mit artfremden Lebewesen. Wir bezeichnen unsere Hunde oftmals als beste Freunde. Und wenn wir davon ausgehen, dass unsere Hunde diese Gefühle auch erwidern, schickt uns deswegen niemand zum Psychologen. Es existieren sogar Vermutungen, dass wir Hunde unter anderem nach diesen empathischen Kriterien gezüchtet haben [22].

Mutter-Kind-Beziehung

Was von Tierrechtlern oftmals harsch kritisiert wird, ist die frühe Trennung von Mutterkuh und Kalb. Wenn die früheste Form der Empathie tatsächlich dazu existiert, eine angemessene Interaktion von Mutter und Kind zu ermöglichen, dann ist die Trennung tatsächlich fragwürdig.

Oxytocin ist ein Hormon, das vor allem bei positiven sozialen Interaktionen (wie zum Beispiel beim Kuscheln) ausgeschüttet wird. Verabreichung von Oxytocin manipuliert das Verhalten von Menschen [23]. Die wahrscheinlich wichtigste Rolle spielt Oxytocin bei der Entwicklung der Beziehung zwischen Mutter und Kind [24]. Diese Korrelation konnte bei zahlreichen Spezies beobachtet werden und lässt auf eine evolutionär besonders stark gefestigte Beziehung zwischen Mutter und Kind schliessen. Es bedarf wohl keiner weiteren Erklärung, dass das Rufen der Mutterkühen nach der Trennung des Kalbes Ausdruck einer Stresssituation ist, die psychologisch sehr belastend sein muss. Dasselbe gilt für die Kälber [25]. In Menschenaffen wurde sogar über Trauer nach dem Verlust eines Nachkommen berichtet [26].

In einer Arbeit haben Latham und Mason die Hypothese aufgestellt, dass stereotypisches, sich wiederholendes und offensichtlich funktionloses Verhalten, das oft bei Zootieren beobachtet werden kann, eine Folge der fehlenden mütterlichen Beziehung sein könnte [27]. Die Auswirkungen sind kognitive Defizite, die neben krankhaft kompensatorischem Verhalten auch zu völlig sozialer Inkompatibilität führen können. Angemerkt sei, dass die meisten Zootiere, Versuchstiere und Nutztiere eine zu frühe Trennung von ihrer Mutter (und ihrer Gruppe) erfahren. Als Folge dieses abnormalen Verhaltens der Zootiere (unter anderem Aggressivität) verabreicht man des Öfteren Psychopharmaka [28].

Stereotypisches Verhalten und kognitive Defizite wurden auch bei den stark vernachlässigten Kindern in den Waisenhäusern Rumäniens beobachtet [27], [29]. Lathan und Mason argumentieren, dass sowohl bei Waisenkindern als auch bei Tieren dieselben Ursachen und Auswirkungen im Spiel sind. Ein Umstand, der einmal mehr die Frage aufwirft, ob wir Wirbeltiere nicht grundsätzlich anders behandeln müssten.

Fazit – Ethische Konsequenzen?

Ich hoffe, ich konnte mit der Diskussion verschiedener Forschungsergebnisse einige neue Ansatzpunkte setzen. Die ethisch relevante Frage ist nicht, ob Tiere so empathisch oder intelligent sind wie Menschen (sie sind es nämlich nicht), sondern ob sie leiden können. Um leiden zu können ist ein Mindestmass an Empathie und Intelligenz unabdingbar. Das mir zur Verfügung stehende Wissen liefert mir keinen Grund, wieso dies nicht bei einer Vielzahl oder sogar allen Wirbeltieren gegeben sein sollte. Dies bedeutet nicht zwingend, dass Tiere auf die gleiche Stufe wie Menschen gestellt werden sollten. Wir hätten allerdings die Pflicht, sie nicht aus niederen Beweggründen auszubeuten.
Ich habe gezeigt, dass es wissenschaftliche Evidenz gibt, dass Tiere an psychologischen Krankheiten leiden können, die der Depression und pathologisch zwanghaftem Verhalten nicht unähnlich sind. Es geht nicht darum, dass das komplette Krankheitsbild des Menschen in den Tieren modelliert werden kann. Selbst Ansätze genügen, um den Beweis zu erbringen, dass Tiere wie wir Menschen mehr als nur biochemische Maschinen sind. Falls wir unsere eigenen ethischen Grundsätze ernst nehmen, müssen wir uns auch um das Wohl der Tiere sorgen. Die massive Ausbeutung der Tiere zur Produktion von Lebensmitteln (Fleisch, Milch und Eier) ist deshalb in keinster Weise zu rechtfertigen. Wir würden die Gefühle und Bedürfnisse der sogenannten Nutztiere wahrlich mit unseren Füssen treten.

Fussnoten:

[1] Das ist erstaunlich, nehmen wir inzwischen doch auch ohne extensive Beweislast an, dass Frauen den Männer gleichgestellt sind und keine intellektuellen Unterschiede zwischen den Rassen existieren. Wird hier mit unterschiedlichen Massstäben gemessen? Möglicherweise.

[2] Foulkes, T., & Wood, J. N. (2008). Pain Genes. PLoS Genetics, 4(7).

[3] Sneddon, L. U. (2003). The evidence for pain in fish: the use of morphine as an analgesic. Applied Animal Behaviour Science, 83(2), 153-162.

[4] Sneddon, L. U. (2009). Pain perception in fish: indicators and endpoints. ILAR journal, 50(4), 338-342.

[5] Danbury, T. C., Weeks, C. A., Chambers, J. P., Waterman-Pearson, A. E., & Kestin, S. C. (2000). Self-selection of the analgesic drug carprofen by lame broiler chickens. The Veterinary Record, 146(11), 307-311.

[6] Le Bars, D., Gozariu, M., & Cadden, S. W. (2001). Animal models of nociception. Pharmacological reviews, 53(4), 597-652.

[7] Langford, D. J., Bailey, A. L., Chanda, M. L., Clarke, S. E., Drummond, T. E., Echols, S., … & Mogil, J. S. (2010). Coding of facial expressions of pain in the laboratory mouse. Nature methods, 7(6), 447-449.

[8] Es geht also nicht darum, zu beweisen, ob die Versuchstiere Schmerzen empfinden oder nicht. Der Beweis wurde schon längst erbracht und in diesen Experimenten geht es oftmals darum, die Wirksamkeit neuer Medikamente zu testen.

[9] Dieser Abschnitt basiert auf folgendem Review: Maren, S., Phan, K. L., & Liberzon, I. (2013). The contextual brain: implications for fear conditioning, extinction and psychopathology. Nature Reviews Neuroscience, 14(6), 417-428.

[10] Li, K., Zhou, T., Liao, L., Yang, Z., Wong, C., Henn, F., … & Hu, H. (2013). βCaMKII in lateral habenula mediates core symptoms of depression. Science, 341(6149), 1016-1020.

[11] Wang, M., Perova, Z., Arenkiel, B. R., & Li, B. (2014). Synaptic modifications in the medial prefrontal cortex in susceptibility and resilience to stress. The Journal of Neuroscience, 34(22), 7485-7492.

[12] Dunn, A. L., Trivedi, M. H., & O’Neal, H. A. (2001). Physical activity dose–response effects on outcomes of depression and anxiety. Medicine & Science in Sports & Exercise.

[13] Duman, C. H., Schlesinger, L., Russell, D. S., & Duman, R. S. (2008). Voluntary exercise produces antidepressant and anxiolytic behavioral effects in mice. Brain research, 1199, 148-158.

[14] Chourbaji, S., Zacher, C., Sanchis-Segura, C., Dormann, C., Vollmayr, B., & Gass, P. (2005). Learned helplessness: validity and reliability of depressive-like states in mice. Brain research protocols, 16(1), 70-78.

[15] De Waal, F. B., & van Roosmalen, A. (1979). Reconciliation and consolation among chimpanzees. Behavioral Ecology and Sociobiology, 5(1), 55-66.

[16] Fraser, O. N., & Bugnyar, T. (2010). Do ravens show consolation? Responses to distressed others. PLoS One, 5(5), e10605-e10605.

[17] Langford, D. J., Crager, S. E., Shehzad, Z., Smith, S. B., Sotocinal, S. G., Levenstadt, J. S., … & Mogil, J. S. (2006). Social modulation of pain as evidence for empathy in mice. Science, 312(5782), 1967-1970.

[18] Bartal, Inbal Ben-Ami, Jean Decety, and Peggy Mason. „Empathy and pro-social behavior in rats.“ Science 334.6061 (2011): 1427-1430.

[19] http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-60883214.html

[20] Kornum, B. R., & Knudsen, G. M. (2011). Cognitive testing of pigs (Sus scrofa) in translational biobehavioral research. Neuroscience & Biobehavioral Reviews, 35(3), 437-451.

[21] Ruis, M. A., te Brake, J. H., Engel, B., Buist, W. G., Blokhuis, H. J., & Koolhaas, J. M. (2001). Adaptation to social isolation: acute and long-term stress responses of growing gilts with different coping characteristics. Physiology & behavior, 73(4), 541-551.

[22] Custance, D., & Mayer, J. (2012). Empathic-like responding by domestic dogs (Canis familiaris) to distress in humans: an exploratory study. Animal cognition, 15(5), 851-859.

[23] Kosfeld, M., Heinrichs, M., Zak, P. J., Fischbacher, U., & Fehr, E. (2005). Oxytocin increases trust in humans. Nature, 435(7042), 673-676.

[24] Galbally, M., Lewis, A. J., IJzendoorn, M. V., & Permezel, M. (2011). The role of oxytocin in mother-infant relations: a systematic review of human studies. Harvard review of psychiatry, 19(1), 1-14.

[25] Enríquez, D., Hötzel, M. J., & Ungerfeld, R. (2011). Minimising the stress of weaning of beef calves: a review. Acta Vet Scand, 53(1), 28.

[26] De Waal, F. (2011). What is an animal emotion?. Annals of the New York Academy of Sciences, 1224(1), 191-206.

[27] Latham, N. R., & Mason, G. J. (2008). Maternal deprivation and the development of stereotypic behaviour. Applied Animal Behaviour Science, 110(1), 84-108.

[28] http://www.wired.com/2014/07/animal-madness-laurel-braitman/

[29] Nelson, C. A. (2014). Romania’s abandoned children. Harvard University Press.


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