Extrawurst?

20minuten spricht von einer „fleischlosen Extrawurst“ – doch es geht gerade nicht um eine Extrawurst. Pflanzliche Menüs sind schliesslich als einzige für wirklich alle geeignet (Fleischesser, Flexitarierinnen, Vegetarier, Veganerinnen, Allergiker, Laktoseintolerante). Und wichtiger noch: Sie sind auch für alle von unserer Ernährung Betroffenen gut. Klima, Ressourceneffizienz und Tierwohl sind politisch zentrale Themen.

Doch man habe Fleisch einfach „zu gerne“: Wie viele der von 20minuten Befragten wohl wussten, dass in einem Mensa-Experiment an der Uni Bochum 90% der Gäste nicht gemerkt haben, dass ihr „Rindsgulasch“ rein pflanzlich war?

Weiter schreibt 20minuten: „Die Küche hat für die Veganer keine eigene Infrastruktur aufgebaut, sondern lediglich den Produktionsprozess separiert – gemäss Lebensmittelinspektorat problemlos.“ – Als ob eine eigene Infrastruktur für vegane Menüs jemals irgendwie notwendig gewesen wäre! Es ging noch nie darum, welche Lebensmittel womit in Kontakt gekommen sind. Es geht darum, dass vermehrt auch Menüs zur Wahl stehen, die punkto Klima, Ressourceneffizienz, Gesundheit und Tierwohl viel zielführender sind als die aktuelle Durchschnittsernährung.

Der Mehraufwand solle „nach dem Verursacherprinzip auf Veganer abgewälzt werden“, zitiert 20minuten zwei Studierende. Erstens bedeutet die pflanzliche Küche an sich aber keinen Mehraufwand. Pflanzliche Menüs sind an sich nicht schwerer zuzubereiten und die Sentience-Initiativen sehen vor, dass im Bereich der Aus- und Weiterbildung von KöchInnen die notwendigen Schritte unternommen werden. Und zweitens ist es paradox, dass ausgerechnet den pflanzlichen Menüs Mehrkosten unterstellt werden, die „nach dem Verursacherprinzip“ kompensiert werden sollen. Es sind ja die Fleischmenüs, die sich punkto Klima, Ressourcenverbrauch und Tierwohl viel negativer auswirken. Würden die negativen Externalitäten im Preis der Fleischmenüs abgebildet, wären diese viel teurer.

Nicht zuletzt wird gesagt, die Uni Basel spüre „kaum Nachfrage“ nach pflanzlichen Menüs. In einer Mitteilung der Uni vom 24.3.2014 hiess es aber: „Nachhaltige Verpflegung. Die Universität Basel auf gutem Weg.“ Man erfährt, dass die Gäste im vergangenen Jahr vermehrt pflanzlich konsumiert und den Fleischkonsum um rund 15% gesenkt haben.


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